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Fragmentierung und Differenzierung: “Ausgleich im Kollektiv geht nicht verloren”

04.05.2015 – Sortieren_Paul-Georg Meister_pixelioDer Druck des Marktes ist verantwortlich für immer differenziertere Tarife. Die damit einhergehende Diskussion um die Fragmentierung der Versichertenkollektive geht mitunter so weit, dass das Versicherungsprinzip selbst zur Disposition steht. Die Aufsplitterung in kleinere Versichertenkollektive und das Sortieren von Risiken ist bereits seit Längerem in vielen Bereichen der Normalfall.

Es stellen sich in der aktuellen Diskussion noch ganz andere Fragen, nämlich die nach dem Versicherungsprinzip selbst und ob die Nutzung neuer Datenquellen zu einer stärkeren Fragmentierung der Versichertenkollektive führt.

Die erste Epoche der deutschen Versicherungsgeschichte beginnt mit Peter Koch und dessen „Geschichte der Versicherungswirtschaft in Deutschland“ mit den Vorsorgebestrebungen der Zünfte im Mittelalter.

In der neueren Versicherungsbetriebslehre spricht man vom „Risikoausgleich im Kollektiv“. Der Versicherer übernimmt eine große Zahl von unabhängigen, gleichen oder ungleichen Schadenverteilungen.
Dabei gleichen sich individuelle Schäden über die Zeit teilweise oder ganz aus. Der Schaden tritt nicht überall gleichzeitig ein und nur bei manchem realisiert sich der Schaden überhaupt.

Die Aufsplitterung in kleinere Versichertenkollektive ist bereits seit Längerem in vielen Bereichen der Normalfall. „In der privaten Versicherung orientiert sich der Preis schon immer an dem jeweiligen individuellen Risiko“, erklärt GDV-Präsident Alexander Erdland.

Bereits in der Vergangenheit habe dies dazu geführt, dass die Versichertengemeinschaft aufgrund neuer Erkenntnisse bei der Beitragskalkulation aufgeteilt wurde, zum Beispiel in Raucher und Nichtraucher in der Lebensversicherung oder nach Typ- und Regionalklassen in der Kfz-Versicherung. „Gleichzeitig führten neue Erkenntnisse auch dazu, dass einigen Kunden heute Versicherungsschutz
angeboten werden kann, die früher keinen bekamen. So hat zum Beispiel die Entwicklung in der Versicherungsmedizin dazu geführt, dass immer mehr Menschen auch mit Vorerkrankungen in der Lebensversicherung gegen den Todesfall versichert werden können“, so Erdland.

“Aufgrund der Resultate einer Europäischen Kohortenstudie mit 34.680 HIV-Patienten können Personen, die mit HIV leben, eine Lebensversicherung für bis zu 20 Jahre zu erschwinglichen Preisen kaufen, was für eine Darlehenshypothek sehr hilfreich sein kann”, ging jüngst Séverine Rion Logean, Vice President Swiss Re, Head Life & Health Europe in ihrem Beitrag für VWheute ins Detail. Ihre These: “Das Solidaritätsprinzip bleibt trotz Datenrevolution in der Versicherungswirtschaft erhalten.”

Eine Entsolidarisierung der Kollektive könnte sich – wenn überhaupt – im Promillebereich der Gesundheitsausgaben abspielen. Birgit König, Vorstandsvorsitzende der Allianz Private Krankenversicherung, war hier auf die Bremse getreten.

Die Möglichkeit der Nutzung neuer Technologien und statistischer Methoden erlauben die Erhebung, Speicherung und Verarbeitung immer größerer Datenmengen. „Damit wird auch das Pricing von Versicherungsrisiken immer präziser“, sagt Guido Bader, Vorstand bei der Stuttgarter.

Ob ein Schaden eintrete und in welcher Höhe, sei immer noch zufällig. „Durch die Fragmentierung wird aber der Erwartungswert des Schadeneintritts und der Schadenhöhe individuell ermittelt und damit eine individualisierte Prämie abgeleitet“, führt er aus. Der Ausgleich im Kollektiv, der die zufälligen Abweichungen vom Erwartungswert abdecke, gehe hierdurch nicht verloren. (vwh/ks)

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Report: Verführung nach Plan. Die Vermessung der Versicherten und die Diskussion um eine Fragmentierung der Kollektive, in: VW 5/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

Bildquelle: Paul-Georg Meister/ pixelio

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