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Folgen der Terror-Strategie treffen auch die Branche

17.11.2015 – Die Anschläge am vergangenen Freitag in Paris zeigen erneut in perfider Weise, dass Terroristen mit relativ geringem Aufwand eine verheerende Wirkung erzielen. Darauf war in den vielen Experten-Analysen der vergangenen Stunden und Tage immer wieder hingewiesen worden. In ähnlicher Form gilt das wohl auch für die Versicherungswirtschaft.

Ein Weltstadt, die durch die fürchterliche Attacke in Paris von Trauer und Angst gelähmt ist, und ein Land, das – wie der Rest der Welt auch – das Geschehen völlig verschreckt realisiert und in den Ausnahmezustand gerät: In ihrem makabren Sinne waren die Terroristen am vergangenen Freitag zweifelsohne erschreckend effektiv. Und das mit relativ geringem eigenem Aufwand.

Deshalb ist – anders als beispielsweise bei einem Flugzeug, das zum Absturz gebracht wird, oder gar bei dem Terroranschlag auf das World Trade Center im September 2011 in New York – auch der in Paris entstandene Sachschaden überschaubar und für die Versicherer wohl kaum ein Problem. Selbst die im Zusammenhang mit solchen Attacken besonders heikle juristische Frage, ob ein Schadenfall im Sinne der Versicherungsbedingungen vorliegt, scheint hier unzweifelhaft geklärt, zumal in Frankreich eine spezielle Regelung gilt.

In diesem nun schon seit längerem offensichtlich besonders gefährdeten Land sind nämlich alle Sachversicherer seit einiger Zeit von Gesetzes wegen verpflichtet, die Terrordeckung in ihre Policen einzuschließen, erläutert Björn Reußwig (Foto), Executive Underwriter Terrorism bei der Allianz Global Corporate Specialtity (AGCS) SE. Der Staat fungiert dabei in einem hoch komplexen System als eine Art Rückversicherer. Die Versicherungssituation in Frankreich unterscheidet sich damit auch deutlich von der 2002 eingeführten Lösung in Deutschland über die – kürzlich gerade erst angepasste – Extremus Versicherungs-AG.

Der Bedarf an Terrorismusdeckungen ist durch die weltweit immer größer werdende Bedrohung jedoch überall gewachsen – und ebenso bei Unternehmen aller Größenordnungen. Auch das zeigt das Beispiel Paris. So haben die Terroristen – quasi nebenbei – in jedem Fall einen Betriebsunterbrechungsausfall in kaum abschätzbarem Ausmaß bewirkt, weil als Konsequenz Museen, Kaufhäuser und Märkte geschlossen blieben und Veranstaltungen – und sogar Welttourneen – abgesagt wurden.

Umgekehrt schien sich auch die Assekuranz dazu durchgerungen zu haben, mehr und mehr in dieses Risiko zu gehen. Das signalisieren unter anderem die speziellen Deckungen für Weihnachtsmärkte, die es seit einiger Zeit gibt und die Händler dort vor Einnahmeausfällen schützen, wenn sie ihre Stände wegen einer Terrorismusdrohung schließen müssen. Und just in diesem Mai hatte die AGCS verkündet, dass sie ihrer Zielgruppe, also großen Konzernen und international tätigen Unternehmen, nun eine globale Terrorismusdeckung für ihre Aktivitäten in nahezu allen Auslandsmärkten anbietet. Versicherungstechnisch machbar ist dies durchaus, wenn man die Kumulrisiken unter Kontrolle hat, zeigt sich der dafür zuständige AGCS-Spezialist Reußwig im Gespräch mit VWheute überzeugt.

Die Nachfrage nach solchen Offerten – auch dies eine “Nebenwirkung” des jüngsten Terroranschlages – dürfte jetzt noch deutlich ansteigen. Abzuwarten bleibt jedoch, wie die Anbieterseite reagiert, wenn der IS seinen Terror nun immer weniger auf das Krisengebiet im Nahen Osten beschränkt, sondern mehr und mehr in alle Welt hinausträgt. (rem)

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