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Flugzeugabsturz wirft Lufthansa stark zurück

25.03.2015 – Germanwings_dpa_56926779Der Absturz der Germanwings-Maschine stellt für die Delvag eine echte Belastungsprobe dar. In den vergangenen Jahren hatte der Captive-Versicherer der Lufthansa von sehr guten Schadenquoten profitiert. Die Delvag verfügte Ende 2013 über Garantiemittel in Höhe von 95,4 Mio. Euro.

Einen guten dreistelligen Millionenbetrag wird die Aufarbeitung des Schadens durch den Unglücks-Flug 4U 9525 von Germanwings die Lufthansa und ihre Versicherer kosten. Germanwings gehört seit 2009 vollständig der Lufthansa. Deutschlands führende Airline organisiert ihren Versicherungsschutz mit Hilfe der Delvag. Auf 42 Mio. Euro beziffert die Lufthansa im Geschäftsbericht 2014 die Versicherungsaufwendungen für den Flugbetrieb. Das waren 12 Mio. Euro weniger als 2013.

Die Delvag (PDF) hatte 2013 55 Mio. Euro Beitragseinnahmen, von denen 44 Prozent im Eigenbehalt blieben. Seit 2011 lagen die Schadenquoten (netto) bei weniger als 50 Prozent, 2013 waren es 52,4 Prozent. Reuters berichtet, dass die Kaskoversicherung vom britischen Broker JLT gemakelt wurde. Das Konsortium sei von der Allianz geführt worden, AIG habe mit versichert. Die Agentur beziffert die Kaskosumme auf etwa sechs Mio. US-Dollar.

Der abgestürzte Airbus 320 war 24 Jahre alt. Das Aviation Safety Network verzeichnet bislang 27 Flugzeugunglücke mit dem Airbus dieses Typs. Im Dezember vergangenen Jahres war eine A 320 der Indonesia Air über der Java See bei schlechtem Wetter abgestürzt, mit 162 Menschen an Bord. Das lag wahrscheinlich an vereisten Sensoren. Im Vergleich zum Konkurrenten Boeing 737 hat der A 320 insgesamt eine sehr gute Sicherheitsstatistik.

Für die Lufthansa bedeutet der Absturz einen erheblichen Rückschlag. Das Alter der Unglücks-Maschine wird Zweifel an der Zuverlässigkeit der Billig-Airline Germanwings aufkommen lassen. Die Vorgängergesellschaft Eurowings hatte bislang keine Flugzeugunglücke zu beklagen, sieht man von einem kleineren Zwischenfall in Berlin-Tempelhof im Jahr 1998 einmal ab. Am 19. Dezember 2010 vermeldeten die Piloten eines A-319 auf dem Flug von Wien nach Köln-Bonn “komische Gerüche” im Cockpit. Die Piloten setzten Sauerstoffmasken auf und landeten das Flugzeug sicher. Die Ursachen dieses Zwischenfalls wurden nie aufgeklärt.

Lufthansa gehört zu den sichersten Airlines dieser Welt. Sie liegt in der Sicherheitsstatistik von JACDEC an zwölfter Stelle, hinter Cathay Pacific, Emirates, EVA, Air Air Canada und anderen. Der Absturz der 4U 9525 ist das folgenreichste Unglück in der Geschichte des Konzerns. Das bislang schlimmste Unglück ereignete sich vor 41 Jahren. Am 20. November 1974 stürzte eine Boeing 747 der Lufthansa kurz nach dem Start in Nairobi (Kenia) ab und riss 59 Menschen in den Tod. Am 27.Juli 2010 gab es einen Totalverlust des Cargo-Flugzeugs MD-11F der Lufthansa in Riad (Saudi Arabien). Am 24. November 2013 kam es zu erheblichen Sachschäden an einer MD-11 in Sao Paolo (Brasilien).

Bis gestern Vormittag verlief das Luftfahrt-Jahr 2015 glimpflich: Bislang waren lediglich zwei Unfälle mit zusammen 47 Todesopfern zu beklagen gewesen. Im Zehn-Jahres-Schnitt waren es sechs Unglücke mit 105 Toten gewesen. (ba)

Bildquelle: dpa

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Link: „Wir erwarten eine individuellere Risikobewertung von Fluggesellschaften“ – Delvag rechnet nach den Flugzeugunglücken nicht mit einer pauschalen Preisanpassung der Versicherer, in: Versicherungswirtschaft 10/14. (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

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