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04.12.2016
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Fintech-Stress? “Der Druck wirkt wie ein Katalysator”

05.02.2016 – Rosenberger_Munich ReDie Munich Re sieht sich keineswegs im Fintech-Krieg. Harald Rosenberger, Global Head of Innovation, zeigt sich im Interview mit VWheute überzeugt davon, dass in Kooperation mit den neuen Playern neue Geschäftsideen entwickelt werden, die der veränderten Risikolandschaft gerecht werden. Er eröffnet heute die Digisurance in München.


VWheute: Ihr Vorstand Thomas Blunck sieht das Geschäftsmodell gefährdet, doch die Munich Re ist angesichts der digitalen Transformation keineswegs tatenlos. Sie setzen offensichtlich auf Kooperation statt auf Konfrontation mit Start-Ups: Welche strategischen Joint Ventures sind Sie eingegangen und haben Sie noch auf dem Plan?

Harald Rosenberger Die Unternehmen von Munich Re suchen aktiv Kontakt zu innovativen Unternehmen, auch außerhalb der eigenen Branche. So ist Munich Re in Innovationszentren weltweit vertreten, um zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Start-ups oder Hochschulen Impulse für Innovationen zu erhalten und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Unsere Kollegen sind dabei nicht nur im Silicon Valley aktiv, sondern auch in Princeton, London, Tel Aviv, Madrid, Peking, Berlin und München. So sponsert Munich Re gemeinsam mit seinem auf Technische Versicherungen spezialisierten Tochterunternehmen Hartford Steam Boiler (HSB) das Startup-Förderprogramm Plug and Play für das Internet der Dinge. Ergo hat in Berlin ein Digital-Lab eingerichtet, in dem neue digitale Anwendungen für Kunden entwickelt werden. Darüber hinaus sponsert Munich Re Veranstaltungen wie “Between the Towers on Tour”, um Kontakt zu regionalen FinTechs aufzubauen. Und Munich Re ist einer von fünf Industriepartnern von TechFounders, dem Accelerator-Programm des Entrepreneurship Centers der Technischen Universität München (TUM). Bei TechFounders bekommen junge Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen unter Realbedingungen zu entwickeln. Das sind nur einige Beispiele, wo Munich Re aktiv ist, um gemeinsam mit Unternehmen der Start-up Szene neuen Geschäftsideen zu entwickeln.

Wir sind überzeugt davon, dass wir in solchen Kooperationen die Stärken unserer ganzen Gruppe einbringen und damit das Geschäftsmodell der Versicherung von morgen gemeinsam mit neuen und innovativen Unternehmen aktiv mitgestalten können. Der Druck, unter dem derzeit die etablierten Geschäftsmodelle der Versicherungswirtschaft zweifellos stehen, wirkt dabei wie ein Katalysator. Übrigens, Thomas Blunck sieht das Geschäftsmodell nur gefährdet, blieben wir tatenlos, so aber sehen wir attraktive Wachstumschancen.


VWheute: Welches sind für Flaggschiffe wie die Munich Re die Innovationen – vor allem im Vertrieb -, die es anzukurbeln bzw. zu übernehmen gilt?

Harald Rosenberger Die Risikolandschaft von Versicherungskunden verändert sich rapide, zum Beispiel durch die Digitalisierung von Produktionsprozessen oder in Verkehr und Logistik. Munich Re gestaltet diese Veränderungen mit innovativen Versicherungslösungen, erweiterten Services und neuen Geschäftsansätzen aktiv mit. Ein bedeutendes Wachstumsfeld sind z. B. Cyber-Versicherungen. “Smart Homes” und “Industrie 4.0″ sind Schlagworte für einen immer stärker vernetzten Alltag und eine immer stärker vernetzte Wirtschaft. Hier entstehen neue Risiken. Munich Re baut gezielt ihre Expertise in diesen Feldern auf und kooperiert dabei mit namhaften IT-Firmen. Hierbei geht es auch um Risk Mitigation, also nicht nur um Produktneuentwicklung, sondern um Schadenverhinderung, -reduktion und –vorhersage.

In der Erstversicherung bietet die Digitalisierung natürlich auch große Chancen im Vertrieb. Dabei ist ein wichtiges Thema, Produkte zu entwickeln, die aus Kundensicht eine bessere Produkterfahrung, die sogenannte “customer experience”, ermöglichen als dies heute viele Produkte tun.


VWheute: Welche Funktion übernehmen Sie konkret aktuell im Konzern? Sorgen Sie für Change Management in sämtlichen Bereichen oder ist der Innovationsbereich eher ein vom laufenden Geschäft abgekoppelter Sandkasten, in dem Sie experimentieren dürfen?

Harald Rosenberger Ich leite ein Team von Kollegen, dass sich dem Thema Innovation in Vollzeit widmen kann. Wir haben verschiedene Experimentierfelder, auf denen wir neue Produkte, Services oder Geschäftsmodelle mit Kunden testen. Die direkte Zusammenarbeit zwischen unseren Geschäftseinheiten, Kunden und unseren Innovationskollegen, ist wichtig, damit wir nah am Nutzer sind. Darüber hinaus haben wir Initiativen außerhalb des traditionellen Geschäfts. Dazu ein Beispiel: Wir haben eine Kooperation mit Metabiota, einem in San Francisco ansässigen Unternehmen, das Vorreiter bei der Erfassung und Aufbereitung von Echtzeitdaten sowie der Risikoanalyse von Epidemien ist. Auf Basis der Datenanalysen von Metabiota werden Modelle für Epidemien entwickelt. Diese wiederum übersetzen wir gemeinsam mit unseren Kunden in Versicherungsdeckungen für Epidemierisiken, die bislang nicht versichert sind.

Als Team möchten wir aber auch dazu beitragen, eine innovationsfreundlichen Kultur zu fördern, also die Kollegen zu ermutigen, bei Ideen mit konkretem Geschäftsbezug zu experimentieren und schnelle Ergebnisse zu suchen.


VWheute: Was versprechen Sie sich von der Digisurance?

Harald Rosenberger Ich hoffe vor allen Dingen auf einen engen Austausch zwischen Versicherungsunternehmen und neuen Spielern. Wir möchten unsere Kunden mit neuen Unternehmen zusammenbringen, da wir davon überzeugt sind, dass der Versicherungsbranche diese neuen Spieler helfen, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Dazu möchten wir hier eine Plattform schaffen. Wir als Branche können viel von Start-ups lernen, ebenso wie andersherum.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Harald Rosenberger, Global Head of Innovation, Munich Re (Quelle: Munich Re)

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