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Filmversicherung: “Fack ju Göhte” mit Schutz vor Hals- und Beinbruch

15.01.2015 – Gossler_FilmversicherungJeder einzelne Drehtag birgt in der Filmproduktion Risiken. Doch auch wenn ein Film fertiggestellt ist, braucht es mitunter Versicherungsschutz. Versicherungsmakler Franz Gossler, der “Türkisch für Anfänger”, “Die Päpstin” oder “Fack ju Göhte” professionell begleitete, greift auf 45 Jahre Expertise zurück und gibt im Interview mit VWheute Einblicke in die Filmversicherung.

VWheute: Welches sind die klassischen Risiken, die Sie bei einer Filmproduktion absichern?

Gossler: Bekannt ist die Personenausfallversicherung: Versichert sind Schäden, die aus der Unterbrechung, der Verzögerung oder dem Abbruch der Produktion entstehen, wenn versicherte Personen wie Schauspieler aufgrund Unfall, Krankheit oder Tod ausfallen. Ein Defekt der Kamera, Verlust des Hauptmotivs durch Überschwemmung und ähnliches ist über die Sachausfallversicherung abgedeckt. Vergleichbar ist die Film-Geräteversicherung für sämtliches Equipment wie Kamera, Licht, Bühnen und Tontechnik.

Die Bild-, Ton- und Datenträgerversicherung gilt für sämtliche Bild-, Ton- und Datenträger während der Produktion und der Postproduktionszeit, also auch während Schnitt, Mischung, Überspielung sowie auf sämtlichen Transporten. Requisiten, Kostüme, Tiere, Pflanzen, Bauten können gegen Beschädigung, Zerstörung und Abhandenkommen versichert werden.

Daneben gibt es die Haftpflichtversicherung und die Kassenversicherung: Hierunter sind sämtliche Zahlungsmittel gegen Einbruch, Einbruchdiebstahl, Raub aber auch Feuer versichert.

In Deutschland nicht sehr verbreitet ist der Completion-Bond. Hier sichert der Bond-Geber über die o.g. Versicherungen hinaus die Fertigstellung des Projekts zu, sofern es zu Verzögerungen oder Mehrkosten kommt. Completion Bonds werden üblicherweise zusätzlich zu den Versicherungen von Geldgebern gefordert, um ihr Investment noch besser abzusichern.

VWheute: Welches sind die Risiken, die Sie nach Abschluss einer Produktion absichern?

Gossler: Nach Abschluss der Produktion, wenn es an die Auswertung geht, kann es sein, dass die Verleihfirma, der Weltvertrieb oder andere Vertriebspartner eine sogenannte Errors & Omission Versicherung fordern. Dies ist üblicherweise der Fall, wenn internationale Vertriebskanäle genutzt werden. Es handelt sich dabei um eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Ansprüche Dritter aus der Verletzung von Rechten, z.B. Titel, Namensschutz oder Persönlichkeitsrechten.

VWheute: In welchem Rahmen bewegen sich die Prämien?

Gossler: Der Prämiensatz ist natürlich abhängig von den entsprechenden Risikomerkmalen wie Drehorte, Anzahl der zu versichernden Personen oder Stunts beispielsweise. Er bewegt sich für das gesamte Paket ohne Errors & Omission und Completion Bond zwischen 0,8 und 1,2 Prozent gerechnet auf die Herstellungskosten. Die Prämie für eine Errors & Omission Versicherung liegt zwischen Zehn- und Fünfzehntausend Euro.

Die Prämie für einen Completion Bond liegt in etwa bei zwei Prozent gerechnet auf die Herstellungskosten.

VWheute: Welche Schäden hatten Sie zu verzeichnen?

Gossler: Was Schäden angeht, hatten wir von gebrochenen Nasen über gebrochene Arme und Beine bis hin zu Nervenzusammenbrüchen, eigentlich schon fast alles. Hier spezielle Ereignisse hervorzuheben fällt mir schwer.

Info: Zu den Kunden des Versicherungsmaklers Franz Gossler GmbH gehören laut eigener Angaben große Produktionsfirmen aus allen Bereichen. Im Kinder- und Jugendbereich hat man “Die Wilden Kerle”, “Die Fünf Freunde”, “Ostwind”, “Das Sams” und “Wickie” begleitet.

Ansonsten zählt Franz Gossler “Die Päpstin”, “Adlon”, “(T)Raumschiff Surprise – Periode 1″, “Türkisch für Anfänger”, “Fack Ju Göhte”, “Mordkommission Istanbul” oder “Frau Müller muss weg”, der heute in die Kinos kommt, als einen kleinen Querschnitt aus 45 Jahren Tätigkeit in der Filmversicherung auf.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

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