Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Exklusiv-Interview zu autonomem Fahren: Risikoszenarien für Versicherer

14.04.2014 – harald-knothe-150Sind Computer tatsächlich die besseren Autofahrer? Harald Knothe, Insurance Client and Distribution Leader für XL Group in Deutschland, geht der Sache auf den Grund. Im Interview mit VWheute spricht Knothe über den versicherungstechnischen Risikenwandel sowie über das Auto als IT-Knotenpunkt.

Ein Verkehrssicherheitsreport der Dekra (siehe MÄRKTE) könnte sich erledigt haben, verzichtet man bei der Fahrt auf manuelles Eingreifen: Das zumindest ist die Vision der Autobauer, die  schon weit über Assistenzsysteme beispielsweise zum Bremsen und zum Halten der Spur hinausgehen. Autonome Fahrzeuge werfen allerdings auch versicherungstechnische Fragen auf. “Autonome Fahrzeuge könnten den Ausstoß von Treibhausgasen dramatisch senken”, sagt Harald Knothe: “Die Frage, was wir denn tun werden, wenn unsere unfehlbar geglaubten autonomen Fahrzeuge versagen.”

VWHeute: Wollen Versicherer überhaupt autonom fahrende Autos?

Harald Knothe: Letzten Endes wird es keine Frage des Wollens sein: Erfolgreiche und innovative Versicherer werden die sich verändernden Risiken der Zukunft sehr genau verfolgen und das Produkteangebot laufend anpassen. Die größte Herausforderung wird meiner Ansicht nach die Übergangsphase zwischen dem individuellen und dem autonomen Fahren sein. Insbesondere dürfte es spannend sein, ob wir uns das Lenkrad wirklich aus der Hand nehmen lassen und das technisch verlockende Angebot der Automobilhersteller annehmen wollen und werden oder vielleicht – mangels Alternative oder auf Grund Gesetzgebung – müssen.

VWHeute: Studien zufolge können bei autonomen Fahrzeugen 95 Prozent der Unfälle vermieden werden – wenn die Technik mitspielt. Wer haftet, wenn es trotzdem zum Unfall kommt?

Harald Knothe: Die heute bereits verfügbare „Black Box“ zeigt zu einem guten Stück die technischen Möglichkeiten der Rekapitulation eines Unfallhergangs auf. In Zukunft werden vermutlich noch weitreichendere Systeme zum Einsatz kommen, die eine erhebliche Erleichterung in der Beweisführung mit sich bringen können – auch für den Fall eines technischen bzw. systemischen Versagens. Bereits ab Oktober 2015 besteht beispielsweise für alle Neuwagen in der EU die Verpflichtung zur Ausrüstung mit dem automatischen, fahrzeugbasierten Notrufsystem eCall-Notrufsystem – die dazu erforderliche Fahrzeugsensorik legt technisch den Grundstock für künftige Systemerweiterungen. Ob auch die Black Box „Pflicht“ wird, bleibt abzuwarten. Ein nicht zu negierendes Restrisiko bleibt dort, wo Technik an ihre Grenzen stößt oder der Fehler dem Produkt innewohnt. Hier sind Hersteller, deren Zulieferer und auch die Versicherer gefordert, diese technischen Entwicklungen aktiv zu begleiten und mit innovativen Produkten auf Veränderungen zu reagieren.

VWHeute: Wie könnten ein neues Risikomodell und neue Versicherungstarife aussehen?

Harald Knothe: Sofern sich die Unfallzahlen tatsächlich in der prognostizierten Weise reduzieren lassen, wird sich das für die Kunden auszahlen. Denkbar ist ausserdem, dass neue Prämienanreize geschaffen werden, die noch besser mess- und belegbar sind. Für Versicherer bietet sich die Chance, die hohe Schadenquoten in der Kfz-Versicherung auch unter kaufmännischen Gesichtspunkten ins Positive zu drehen. Ferner besteht aber auch das Risiko des weiteren „Preisdrucks“. Hersteller, Zulieferer und deren Versicherer stehen andererseits vor neuen Herausforderungen was Risikoprävention, Risikoszenarien und -dimensionen betrifft. Noch stärker als heute werden maßgeschneiderte, transparente Versicherungslösungen gefragt sein.

VWHeute: Grundvoraussetzung für autonome beziehungsweise halbautonome Fahrzeuge ist eine umfassende Telematik. Wie begegnen Sie Bedenken hinsichtlich der Datenverwendung und Speicherung der Daten?

Harald Knothe: In erster Linie wird der Gesetzgeber in der Pflicht stehen, die Rahmenbedingungen zu definieren. Erste Priorität wird der hohe Sicherheitsstandard haben – verbunden mit einer strikt zweckgebunden Anwendung der Daten. Dazu gehört auch die Aufklärung eines jeden Verkehrsteilnehmers, welche Daten, wie und warum und in welchem Umfang wie lange gespeichert werden. Und diese Daten sollen wiederum dabei helfen, dem Kunden einen optimalen Service zu bieten. (ku)

Foto: Harald Knothe von der XL Group zu den Risikoszenarien des autonomen Fahrens (Quelle: XL Group)

Link: Harald Knothe: Sind Computer die besseren Autofahrer? (Beitrag auf dem Portal Fast Forward)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten