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“Everything which can be digitalized will be digitalized”

12.05.2015 – Ein Beitrag von Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der Citigroup Global Markets Deutschland AG.

Befindet sich die Rückversicherungswirtschaft tatsächlich im Wandel oder sind die aktuellen Herausforderungen lediglich ein temporäres Phänomen? Das niedrige Schadensniveau und der zunehmende Druck auf die Prämien, sich verändernde regulatorische Anforderungen durch Solvency II oder auch höhere Selbstbehalte der Zedenten wirken zwar tendenziell ertragsmindernd, führen aber noch nicht zu einer strukturellen Anpassung der Geschäftsmodelle.

Fundamentaler sind hingegen das historisch niedrige Zinsniveau und die wachsenden Kapitalkapazitäten (Stichwort Alternative Capital) sowie die Digitalisierung mit den damit verbundenen veränderten Kundenverhalten und Geschäftsprozessen (Stichwort Big Data).

Das Kapital im Rückversicherungsmarkt stieg im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 575 Mrd. US Dollar an. Der Anteil von Alternative Capital beträgt mittlerweile über zehn Prozent (62 Mrd. USD). Im Jahr 2004 waren es lediglich zehn Milliarden USD und es spricht vieles dafür, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Die Nachfrage nach Yield und alternativen Investments sind hierfür im Wesentlichen ursächlich. Alternatives Kapital steht vor allem für die Rückversicherung von Naturkatastrophen zur Verfügung, einem grundsätzlich profitablen Segment mit geringen Eintrittsbarrieren. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Kapitalgeber bzw. Investoren letztlich bei größeren Schadensfällen reagieren. Das niedrige Zinsumfeld und das hohe Angebot an Kapital erhöhen den Druck und werden die Konsolidierung innerhalb der Industrie verstärken. Neben Ertrags- und Kostensynergien sind aus M&A Sicht eine kritische Größe, eine globale Aufstellung sowie eine breite Produktpalette entscheidend.

Es heißt: Everything which can be digitalized will be digitalized. Die Folgen dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar, doch bietet diese Chancen für ein verbessertes Risiko- und Kostenmanagement, eine neue Servicequalität sowie die langfristige Kundenbindung. Big Data eröffnet zudem Technologie- und anderen Unternehmen die Möglichkeit, zukünftig selbst in attraktiven Segmenten des Rückversicherungsgeschäfts Dienstleistungen und Risikokapazitäten anzubieten.

Insgesamt ist die Rückversicherungswirtschaft auf die wesentlichen Herausforderungen gut vorbereitet. Insbesondere die großen Rückversicherer profitieren von ihrer exzellenten Diversifizierung, ihrem Risikomanagement und Underwriting Know-how, ihren langjährigen Kundenbeziehungen und einer sehr soliden Liquiditäts- und Kapitalausstattung. Der Rückversicherungsmarkt ist noch nicht gesättigt und Schwellenmärkte in Asien oder Afrika sowie neue Produkte (z.B. Schutz gegen Terrorismus oder Cyberattacken) bieten Wachstumschancen. Die Rückversicherungswirtschaft der Zukunft wird wettbewerbsintensiver und geprägt durch neue Anbieter sein. Entscheidend wird es sein, dass es regulatorisch weitgehend ein Level Playing Field gibt und die Chancen der Digitalisierung konsequent genutz werden.

Links: MÄRKTE, KÖPFE

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