Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

„Es ist kühn zu behaupten, dass alles billiger wird“

20.06.2014 – PetrySeit dem Rückzug der Zurich aus dem Krankenhaus-Haftpflichtgeschäft steigen die Prämien stark an. Versicherungsmakler Franz-Michael Petry (Ecclesia) glaubt nicht, dass die Krankenhäuser ihr Versicherungs-Problem einfach mit Captives lösen können. Ecclesia versichert schätzungsweise jedes zweite der insgesamt 2.000 Krankenhäuser in Deutschland. Jetzt drängen andere Makler in dieses Geschäft.

VWheute: Wie entwickelt sich der Krankenhaus-Haftpflicht-Markt mittelfristig?

Franz-Michael Petry: Ich bin optimistisch, dass es in zwei Jahren noch fünf Anbieter oder gar mehr gibt. Schließlich haben alle die Zeichen der Zeit erkannt, sind sich der Schadenproblematik bewusst und schauen nun in kurzen Abständen auf Veränderungen in diesem Segment. Durch die massiven Preissprünge der letzten zwei Jahre hat das Prämienniveau einiges aufgeholt. Die Prämien werden entsprechend der Schadensituation mittel- und langfristig weiter steigen, aber dies wird den Markt stabilisieren. Die seinerzeit wegverhandelte Anpassungsklausel haben alle Anbieter wieder in Kraft gesetzt. Die VKB hat sogar einzelvertraglich eine automatische Anpassung von 7,5 Prozent vereinbart. Damit dürfte kein zweites Mal ein so großes Loch entstehen.

VWheute: Wie sieht es mit Lösungen im Versicherungsbereich aus, wenn Sie das gesamte Equipment von Selbstbehalten, über Risikopools von Klinikketten oder Captives auspacken?

Alternative Versicherungslösungen sind aus heutiger Sicht schwer darstellbar, solange es Zweifel gibt, dass das aktuelle Prämienniveau die Schadenbedarfe deckt. Selbstbehalte sind die Risikoübernahme am unteren Ende und können daher zur Lösung beitragen. Wenn Kliniken den durchschnittlichen Bedarf am Schadenaufwand selbst tragen und nur die Risiken versichern, die ungewiss und wirtschaftlich von großer Bedeutung sind, können sie Kosten und Versicherungssteuer sparen. Das setzt eine gewisse Größe des Krankenhausträgers voraus. Für eine Reihe von Krankenhäusern arbeiten wir mit solchen Modellen. Auch die Klinikketten versichern sich teilweise so.

VWheute: Steigende Prämien und Deckungsnotstand sind für Makler eigentlich keine schlechte Geschäftssituation. Sie profitieren doch auch davon, oder?

Franz-Michael Petry: Zumindest für Ecclesia ist das nicht der Fall. Wir haben seit 2012 einen Beschluss der Geschäftsführung, dass wir an den extremen Prämiensteigerungen in diesem Markt nicht mit verdienen wollen. Wir haben davon nicht mit Mehr-Courtage profitiert.

VWheute: Kürzlich hat Marsh hier in Detmold eine Makler- und Beratungsfirma für das Gesundheitswesen gegründet und dafür Experten bei Ihnen abgeworben. Zudem hat sich vor kurzem die Genossenschaft Heilwesennetzwerk RM eG gegründet. Sie hat angekündigt, die bestehende Marktstrukturen bei den Haftpflichtversicherungen für Heilberufe und Institutionen aufbrechen zu wollen, weil diese der Hauptgrund für den teilweise dramatischen Anstieg der Versicherungsprämien sei. Haben Sie da etwas falsch gemacht?

Franz-Michael Petry: Makler versuchen immer wieder, Spezialsegment zu besetzen, um ihre Chancen, neue Kunden zu gewinnen, zu erhöhen. Marsh ist sicherlich ein Sonderfall, der mit den Personen, die hier weggegangen sind, zu tun hat. Und zum zweiten Fall nur so viel: Angesichts der Schadenbedarfe ist es kühn zu behaupten, dass alles billiger wird, wenn es eine Genossenschaft organisiert. Immerhin verfügen wir seit 1987 über verlässliche Krankenhausstatistiken zu Faktoren wie Produktionsseite, Behandlungsfälle, Schadenentwicklung und ähnlichem und können Risiken relativ sauber berechnen.

Das Gespräch führte VWheute-Korrespondentin Monika Lier. Das ausführliche Interview mit Petry lesen Sie in der neuen Ausgabe des Versicherungswirtschaft-Specials Value, die am 26. Juni erscheint.

Bild: Franz-Michael Petry (Quelle: Ecclesia)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten