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Erkennungsdienst für Betrug und Optimierung des Schadensmanagements

07.04.2015 – Becker_SASEiner noch wirksameren Bekämpfung von Versicherungsbetrug steht auch der Datenschutz entgegen, sagt Henrik Becker, SAS Deutschland. Wie moderne Analytik, die Auswertung und Aufbereitung von Daten jeglicher Art, Versicherungsbetrug bekämpfen helfen, erläutert er im Interview mit VWheute.

VWheute: In welchem Stadium des Versicherungsbetrugs können Sie mit moderner Analytik besonders wirksam zur Verhinderung beitragen und wie?

Henrik Becker: Im klassischen Schadenprozess ergänzt und ersetzt Analytik den Einsatz rein regelbasierter Systeme um Instrumente der Anomalieerkennung, der prädiktiven Analytik wie auch der Netzwerkanalyse. Hierdurch wird der sich ständig ändernden Handlungsmusterlandschaft Rechnung getragen ebenso wie dem Umstand, dass technische und gesellschaftliche Veränderungen auch Änderungen in der Art und Weise bedingen, wie Versicherer heute betrogen werden. Insbesondere fallübergreifend bzw. überregional agierende Tätergruppen können deshalb mit Analytik viel effektiver identifiziert werden, Obstruktionshandlungen umgangen und sich verändernde Motivationslagen aufgenommen werden.

Im Antragsprozess hingegen hilft moderne Analytik risikorelevante Profile zu erstellen, die dann im Rahmen der Antragsprüfung zur Anwendung kommen und so betrugsvorbereitende bzw. generell missbräuchliche Anträge identifizieren. Hierzu kommen dann auch Daten aus dem Schadenprozess zum Einsatz, die wiederum einen Rückschluss auf die Tatbegehung und auf die damit verbundenen Vorbereitungshandlungen zulassen. Bezogen auf die Frage bedeutet dies, dass vor allem die klassischen Einzelfallprüfung einer Schadenmeldung sowie die profilbasierte Risikoprüfung eines Neuantrages durch Analytik wesentlich verbessert werden können.

VWheute: Können Sie also bereits im Vertragsprozess sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein potenzieller Versicherungsnehmer zum Betrüger wird?

Henrik Becker: Es lässt sich sicherlich ein Risikokennwert errechnen, der sich auf die der Betrachtung zugrundeliegenden Kenngrößen, des Produktumfeldes sowie der besonderen Lage des Versicherers bezieht und insoweit lediglich eine Abstufung im Vergleich zu allen anderen bewerteten Fällen bzw. zu allen anderen ausgesteuerten Fällen darstellt.

Eine solche Abstufung bzw. wertorientierte Kategorisierung wird auch vor dem Hintergrund der weiteren Bearbeitung notwendig sein, um den Fokus auf die erfolgversprechendsten Fälle zu lenken. Dieser – wenn nicht als absoluter Wert verstandene – Risikokennwert entspricht dann der Gewichtigkeit des Risikos, dass ein Versicherungsnehmer bzw. eine konkrete Police in der Zukunft Gegenstand einer betrügerischen oder missbräuchlichen Handlung wird.

VWheute: Welche signifikanten Erfolgszahlen können Sie beim Versicherer so generieren?

Henrik Becker: Üblicherweise amortisiert sich Analytik innerhalb von 20 Monaten. Entsprechende Optimierungspotenziale setzen sich dabei zusammen aus der verbesserten Erkennungsleistung – es werden also Fälle gefunden, die vorher nicht identifiziert wurden -, einer erheblichen Reduktion Fehlalarme sowie den Verbesserungen in der prozessualen Abarbeitung und der Datenanbindung, die wiederum zu einer schnelleren bzw. effizienteren Schadensachbearbeitung insgesamt und damit zu einem verkürzten Bearbeitungszeitraum aus Sicht des Versicherten führen.

VWheute: Was steht einer noch wirksameren Bekämpfung von Versicherungsbetrug im Weg?

Henrik Becker: Die beiden wesentlichen, uns in der Praxis immer wieder begegnenden Problemfelder sind die grundsätzlichen Restriktionen des Datenschutzes, die – berechtigterweise – verschiedenste Auswertungs-und Profilierungsmethoden verbieten. Zum anderen stellen die Datenverfügbarkeit und Datenqualität häufig limitierende Faktoren dar.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

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