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Elterngeld Plus erschwert nachhaltige Personalplanung

28.11.2014 – Niebler_AGVVom Manager für Manager, AGV-Geschäftsführer Michael Niebler. Beim Elterngeld Plus bleibt ein kostbares Gut des deutschen Arbeitslebens: die Planungssicherheit der Unternehmen. Dieses Qualitätsmerkmal unterscheidet uns von vielen anderen europäischen Ländern, in denen die arbeitsrechtliche und tarifpolitische Praxis eine nachhaltige Personalplanung nicht erlaubt.

Wenn ein Arbeitnehmer Vater wird oder eine Arbeitnehmerin ein Kind bekommt, weiß der Arbeitgeber nicht, ob und wann er oder sie dem Betrieb in den folgenden acht Jahren zur Verfügung steht.

Er weiß nur, dass er oder sie nicht länger als drei Jahre fort ist und dass er oder sie sich diese drei Jahre in maximal drei Zeitabschnitten einteilen darf. Wenig Trost. Warum operiert der Gesetzgeber in diesem Bereich immer mit Rechtsansprüchen, die die konkrete betriebliche Situation im Einzelfall gar nicht berücksichtigen können?

Warum versucht er es nicht zunächst mit einer „Soll-Bestimmung“ und lässt empirisch untersuchen, wie die Arbeitgeber in Deutschland dem gesetzgeberischen Wunsch freiwillig Folge leisten. Meine Prognose wäre: In den allermeisten Fällen arrangieren sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, oftmals unter Mitwirkung des Betriebsrates. Und in den wenigen Fällen, wo ein Arbeitgeber tatsächlich „Nein“ sagt, wird er triftige Gründe im Interesse des gesamten Betriebes auf seiner Seite haben. Warum versucht man nicht erst einmal den konsensualen Ansatz und schaut, wie er „gelebt“ wird?

Das neue „Gesetz zur Einführung des Elterngeld Plus mit Partnerschaftsbonus und einer flexibleren Elternzeit im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz“ bringt – das will ich nicht bestreiten – zahlreiche Verbesserungen für Familien, auch bei den neuen Regelungen zur Elternzeit. Die Gesamtdauer der Elternzeit von drei Jahren bleibt zwar bestehen.

Bislang war es aber nur möglich, ein Drittel hiervon – also zwölf Monate – auf die Zeit nach Vollendung des dritten und vor Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes zu übertragen. Künftig sollen zwei Drittel – also 24 Monate – nach Vollendung des dritten Lebensjahres in Anspruch genommen werden können. Ferner ist künftig eine Aufteilung der Elternzeit in drei statt bisher zwei Zeitabschnitten erlaubt.

Und: Die Übertragung von Elternzeit bedarf nicht mehr der Zustimmung des Arbeitgebers, dieser darf erst beim dritten Zeitabschnitt widersprechen, aber auch nur dann, wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen.

Bild: Michael Niebler, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des AGV (Quelle: AGV)

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