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Ein Hauch von Freiheit

23.09.2016 – Kunst_Helene Souza_pixelioMit den jungen Internet-Milliardären und ihren “Unicorns” ändert sich die Rolle des physischen Wohlstands in der gesellschaftlichen Hackordnung. Das Erleben, Handeln und Wegbereiter-Sein steht im Vordergrund, der Besitz von Althergebrachtem büßt an Stellenwert ein. Zudem ist Besitz sehr großen Gefahren ausgesetzt: vom Verblassen über die versehentliche Beschädigung, einer Feuersbrunst, Naturgefahren bis Art-Napping.

Geeignete Sicherungen lassen sich daher nur in begrenztem Umfang in den eigenen vier Wänden anbringen. Spitzenwerke sind somit nur in entsprechend gesicherten Privatbunkern oder Museen versicherbar. Ansonsten müssen sie in Speziallager verbracht werden. Nicht alle Kunst wird zudem zu dem Zweck erworben, diese auch zur Schau zu stellen.

Zudem gehören Kunstwerke bisweilen auch lediglich zum vom Vermögensberater empfohlenen Asset Mix mit bis zu zehn Prozent. Diese Preziosen sollten allerdings besser in einem bunkerartigen, klimatisierten Tresor ruhen. Zollfreilager sind eine seit langem übliche Institution. Sie gestatten es, Transportware so zu behandeln, als sei sie im Inland nicht angekommen. Dadurch werden weder Zölle noch eine Einfuhrumsatzsteuer fällig.

So lagern etwa Händler im Hamburger Hafen teilweise über Jahrzehnte ganze Stapel an Orientteppichen, in Erwartung irgendwann einmal wieder steigender Preise. Die erste Mutierung eines Zolllagers zu einem Kunstlager geschah in Genf. Das dortige Lager weist vor allem günstige Bedingungen auf: In einem diskreten Land mit Wirtschaftsschwerpunkt im Private Banking, nah dem internationalen Flughafen sowie mehrerer Dépendancen großer Auktionshäuser. Federführend war in Genf der Transportunternehmer Yves Bouvier. Am Genfer Freeport ist er zwar nur Minderheitsaktionär, doch gelang es ihm, die Freeport-Idee auch in Singapur und Luxemburg zu verwirklichen.

Allerdings sind solche Freeports auch nicht gerade unumstritten: Kritisch beäugt werden diese Freeports vor allem wegen der großen Diskretion, mit der das Einlagerungsgut behandelt wird. Dabei geht es vor allem um Geldwäsche, und die Terror-Finanzierung, bedingt durch den Export von geraubten Museumsbeständen, etwa in Syrien) sowie illegale Exporte nationalen Kulturguts. Jedoch sind dies nicht Argumente gegen Freeports schlechthin, sondern nur für deren strikte Kontrolle durch die jeweilige nationale Zollverwaltung. In Luxemburg gehört der ehemalige Leiter der französischen Zollverwaltung zum Verwaltungsrat der Gesellschaft, Präsident ist ein ehemaliger Wirtschaftsminister.

Zudem achten die jeweiligen Versicherer auch auf extreme Szenarien, insbesondere Terror und den Absturz von Flugzeugen. Da Freeports zwecks logistischer Optimierung im Perimeter von Flughäfen errichtet werden, ist das letztere Szenarium besonders relevant. Aus der Perspektive der Versicherer wäre eine über einen beschränkten Raum verteilte Freeport-Struktur vorzuziehen, ähnlich wie militärische Luftfahrtbasen über Quadratkilometer verteilt in einzelnen Betonbunkern jeweils nur zwei oder drei Kampfflugzeuge aufbewahren. (vwh/cpt)

bestellen_vwhLesen Sie den vollständigen Beitrag “Einen Hauch von Freiheit”, in der Value 03/2016, (zum Einzelbeitrag)

Bildquelle: Helene Souza / pixelio.de

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