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“Echte Treiber der digitalen Fitness”

19.08.2015 – markus_pattard_accentureSoftware-Testings in der Versicherungsbranche stehen derzeit vor zahlreichen Herausforderungen. So müssen die Versicherer immer schneller neue Produkte entwickeln und in kürzester Zeit auf den Markt bringen. Zudem sind gewachsene Prozesse und Tool-Landschaften “nicht aufeinander abgestimmt”, sagt Markus Pattard, Senior Manager im Bereich Versicherungen bei Accenture, im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Wie funktioniert ein Software-Testing aktuell? Was muss sich hier verändern? Welche Vorteile ergeben sich hieraus für den Kunden?

Markus Pattard: Software-Testing in der Versicherung ist durch zahlreiche Herausforderungen gekennzeichnet. Zum einen müssen die Versicherer immer schneller neue Produkte entwickeln und innerhalb kürzester Zeit auf den Markt bringen. Diese Produktimplementierung erstreckt sich oft auf mehrere Systeme, über das Verkaufssystem in die Bestandsverwaltungs-Software und von dort in die Finanzsysteme. Dies erfordert somit umfangreiche End-to-End-Tests. Ferner müssen oftmals komplexe Migrationen von großen Datenbeständen in ein neues Bestandsführungssystem durchgeführt werden. Dies erfordert eine angepasste Vorgehensweise. Die Experten müssen designen, testen, Fehler analysieren – und dies unter hohem Zeitdruck. Hier kommt es schnell zu Engpässen, so dass die Aufgaben nicht umfänglich erledigt werden können.

VWheute: Welche Konsequenzen hat diese Situation?

Markus Pattard: Da der Marktdruck in Bezug auf Innovation und Geschwindigkeit wohl eher ansteigen als nachlassen wird, müssen sich die Versicherer optimal aufstellen – sowohl inhaltlich als auch kostentechnisch. Durch eine Professionalisierung des Testings kann ein Versicherer die Qualität und die Flexibilität erhöhen, den gesamten Softwareentwicklungszyklus optimieren und gleichzeitig die Kosten senken. Bis zu zwölf Prozent der IT-Budgets werden schließlich heute allein dafür verwendet, Fehler auszubessern, die aus mangelhaften Tests resultieren. Mit professionalisierten Strukturen kann dies wirksam adressiert werden – ganz gleich ob Einsparpotenziale bei den Test-Betriebskosten, Steigerung der Testproduktivität oder Verbesserung der Anwendungs- und Systemumgebungsstabilität.

VWheute: Aus der Praxis: Was sind die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines Software-Tests beim Kunden?

Markus Pattard: Wir sehen im Test oftmals über lange Zeit gewachsene Prozesse und Tool-Landschaften, die nicht aufeinander abgestimmt sind und einfach koexistieren. Damit werden Transparenz und messbare Kenngrößen über den tatsächlichen Teststatus erschwert bzw. gar unmöglich. Daneben wird Testing oft nicht nach einer einheitlichen Methodik betrieben, so dass die jeweiligen Stände zwischen einzelnen Bereichen nicht verglichen werden können. Die Abläufe sind auch nicht effizient, so dass mehr Arbeit in Testing gesteckt wird als eigentlich nötig wäre.

VWheute: Welche Lösungsmodelle gibt es hier?

Markus Pattard: Um das zu beheben, gibt es mehrere Kooperationsmodelle zur Professionalisierung des Testings, die der Kunde in Abhängigkeit von seiner individuellen Situation einsetzen kann. Von einer punktuellen Unterstützung durch Test-Experten bis hin zu einer Test Factory sind mehrere Varianten möglich. Wenn ein Kunde eine Test-Factory einführen möchte, ist das ein Transformationsprozess. Hier muss man sich gemeinsam anschauen, welche Elemente eines professionellen Testings schon vorhanden sind und in welchen Bereichen noch Verbesserungen möglich sind. Die Verbesserungspotenziale müssen dann konsequent umgesetzt werden.

VWheute: Warum sollten Versicherer ihre Testlandschaft auf den Prüfstand stellen?

Markus Pattard: Testing und dessen Struktur beeinflusst nicht nur die bloße Qualitätssicherung von Software. Testcenter der neuen Generation sind im Ergebnis echte Treiber der digitalen “Fitness” für Versicherer. Dies betrifft Vorteile bei der Erneuerung der Systemlandschaft ebenso wie die schnellere Markteinführung neuer Produkte und Serviceangebote. Das Testmodell im Herzen der IT-Strategie kann hier der entscheidende Pulsgeber sein, um schnell in der digitalen Realität anzukommen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Julia Kolhagen.

Bild: Markus Pattard ist Senior Manager im Bereich Versicherungen bei Accenture. (Quelle: Accenture)

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