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D&O: Reputationsrisiken und Datensicherheit sind Spartentreiber

23.01.2015 – Messmer_swissreD&O ist das erste wirklich globale Versicherungsprodukt, das wir in Deutschland sehen”, sagt Swiss Re Director Daniel Messmer. Im Interview mit VWheute erklärt er, dass die Managerhaftpflicht sich mittlerweile zwar etabliert habe, sich dennoch aber Herausforderungen stellen muss. Neue Haftungsrisiken und Fragen der Wirtschaftlichkeit von Risikoanalysen stellt er heute beim Haftpflichtforum in Hamburg in den Mittelpunkt.

VWheute: National, international, irrational – wie kommen Sie beim Titel ihres heutigen Vortrages auf diese Verkettung zum Thema D&O?

Messmer: Heute haben wir nationale Einflüsse, wie z.B. die Gesetzgebung, die lokale Rechtsprechung, aber auch die “Bedingungsentwicklung” vor Ort, die sich teilweise massiv vom Umfeld in anderen Ländern unterscheiden.

Die internationale Komponente ergibt sich aus der zunehmenden Globalisierung der Versicherungsnehmer. Wachsende Complianceanforderungen in den Unternehmen erfordern internationale Versicherungslösungen.

Schließlich können dem außenstehenden Beobachter die immer weiter um sich greifende Ausweitung der Versicherungsbedingungen, beispielsweise im Hinblick auf den Kreis der versicherten Personen, aber auch der nicht endende Zustrom von neuen Kapazitäten in einem weitestgehend gesättigten Markt wie Deutschland durchaus irrational vorkommen.

VWheute: Sind Bad News nicht Good News für die Sparte? Spektakuläre Fälle lassen doch wie jüngst gemeldet die Prämien und die Nachfrage steigen?

Messmer: Diese Aussage würde ich auf Neudeutsch “challengen”: Die aktuelle Marktbeobachtung zeigt, dass einzelne Schadenfälle nicht zwingend Auswirkung auf die beiden genannten Komponenten haben. Das Produkt hat sich in den letzten 20 Jahren in Deutschland etabliert. Organmitglieder sind sich in der Regel ihrer Haftung bewusst oder werden auf diese Szenarien durch ihre Berater aufmerksam gemacht. Nachfrage entsteht also durch den persönlichen Bedarf. Ein Grund auch, warum das Thema persönliche, d.h. individuelle Absicherungslösungen in Deutschland immer wieder eine Rolle spielen. Die weitere Annahme, dass entsprechende Fälle unmittelbare Auswirkungen auf die Prämien haben, lässt sich aus meiner Sicht nicht eins zu eins validieren. Im Gegenteil, in einigen Fällen haben wir auf schadenbelasteten Risiken aufgrund des Wettbewerbes der Erstversicherer sogar sinkende Prämien gesehen.

VWheute: Welches sind die neuen Herausforderungen der D&O Sparte? Überwiegen hier die Chancen oder die Risiken?

Meiner Meinung nach ergeben sich vielschichtige neue Herausforderungen: Der anhaltende Wettbewerb, verbunden mit entsprechendem Druck auf die Versicherungsprämien wird die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Underwritingprozesse stellen. Wieviel technische Risikoanalyse kann sich der Versicherer hier – insbesondere im Segment kleiner und mittlerer Unternehmen – noch leisten?

Die weitere Frage wird sich vor dem Hintergrund des makroökonomischen Umfelds stellen: Welchen Einfluss hat das anhaltende Zinstief auf die Qualität des Produktes z.B. in der Reservierungspraxis oder in der Zahlungsbereitschaft der Versicherer im Schadenfall.

Und wir leben in einer sich ändernden Welt: Soziale Medien werden zum einen den Vertrieb von Versicherungsprodukten, aber auch die “Gefahr” für Manager verändern. Reputationsrisiken nehmen zu und derartige Reputationsrisiken können sich in Haftungsszenarien von Organmitgliedern umwandeln. Hier werden wir die weitere Entwicklung kritisch beäugen müssen. Dies, in Verbindung mit der Diskussion um Datensicherheit im Zusammenhang mit Cyberrisiken, werden die Treiber im Hinblick auf die Risiken in der Sparte sein. (siehe MÄRKTE)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Daniel Messmer, Swiss Re Director Europe, Middle East & Africa. (Quelle: Swiss Re)

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