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Digitale Transformation im indianischen Tipi-Zelt

26.11.2015 – zelt_hkmDigitalisierung und Kundennähe ist das Credo, welches sich die Allianz in der jüngst in München vorgestellten Konzernstrategie von Vorstandschef Oliver Bäte auf die Fahnen geschrieben hat. Die Wucht der Aussage scheint ihren Widerhall auch einen Tag später im preußischen Berlin beim Branchentreff der Versicherer gefunden zu haben. “Wir müssen noch viel radikaler als früher vom Kunden her denken”, fordert GDV-Präsident Alexander Erdland.

So habe es die Branche heute mit aufgeklärteren und anspruchsvolleren Kunden zu tun als je zuvor, die es künftig stärker in den Mittelpunkt zu rücken gelte, mahnte der Verbandspräsident auf dem Versicherungstag. Daher seien die Versicherer gefordert, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um ihre Dienstleistungen und Produkte noch stärker an den Bedürfnissen der Verbraucher auszurichten, schrieb er den Anwesenden ins Stammbuch.

Damit war die Brücke gespannt zum Dreh- und Angelpunkt des aktuellen Weltgeschehens aus Sicht der Versicherer – nämlich der Digitalisierung. So waren die “Chancen der digitalen Welt” auch das zentrale Leitthema, dem sich sowohl der GDV-Präsident als auch EU-Digitalkommissar Günther H. Oettinger in ihren Impulsvorträgen an die versammelten Versicherungsmanager widmeten.

“Die Digitalisierung führt zu einem epochalen Wandel. Und wir als Versicherungsgesellschaften sind mittendrin”, konstatiert Erdland. Die Branche sieht der GDV-Präsident in vielerlei Hinsicht gefordert. Denn die Digitalisierung schaffe nicht nur neue Produkte. Sie biete auch neue Möglichkeiten in der Risikokalkulation und der Kundenansprache, betont der GDV-Präsident. Dennoch hält er den Versicherungsvermittler auch in Zukunft für unverzichtbar: “Persönliches Verantwortungsbewusstsein und Empathie kann der Computer nicht ersetzen.”

Auch der EU-Kommissar und frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Oettinger, appellierte eindringlich an die Branche, sich nicht nur mit niedrigen Zinsen zu beschäftigen. “Die Kunden verändern sich”, so der Politiker. Und “wir leben in einer digitalen Revolution”, betont der EU-Kommissar. So werde sich schnell entscheiden, wer zu den Gewinnern gehöre und wer zu den Verlierern: “Sie wissen es nur noch nicht”.

Denn wer sich nicht rechtzeitig darauf vorbereite, erlebe schwere Zeiten. Als mahnendes Beispiel nannte Oettinger dabei die Medienbranche, die von der Digitalisierung geradezu überrollt werde: “Wir reden heute immer von Industrie 4.0. Doch es geht um Wirtschaft 4.0 und dazu gehören eben auch die Versicherer”. Dabei sei die Branche gefordert, an neuen Lösungen zu arbeiten – etwa für die vernetzte Industrie, das Smart Home oder autonome Fahrzeuge. Zudem warnte Oettinger die rund 400 anwesenden Versicherungsmanagern eindringlich davor, den Direktkontakt zu den Kunden nicht zu verlieren: “Lassen Sie niemanden zwischen sich und den Kunden”.

Dass die Heads der deutschen Versicherer – verbunden im kollektiven Branchengeist – durchaus offen für die Macht und Mission der digitalen Wertschöpfungskette waren, belegt auch das eher ungewöhnliche Zusammentreffen mit Frederik Pferdt, dessen Berufsbezeichnung bei Google die Zukunftsbegriffe Innovation und Kreativität miteinander vereint.

Einst als Angstgegner der Versicherungsmanager gefürchtet überraschte der gebürtige Oberschwabe und Google-Manager sie mit einem ungewohnten Experiment. So herrschte geradezu fröhliche Stimmung im Saal, als die Teilnehmer ihre Zukunftsvisionen auf ein Papier schreiben sollten – und dies in Form eines Papierfliegers schließlich per Handwurf im Saal verteilten – quasi als Symbol, wie solchen Botschaften Flügel zu verleihen sind.

Ansonsten folgt der Versicherungstag seiner gewohnt festen Programmordnung – beginnend mit der “internen Mitgliederversammlung”, auf deren Agenda auch die Wahl des neuen GDV-Präsidiums stand (siehe KÖPFE).

Abgerundet wurde der Triathlon aus Veranstaltungen vom Programm-Modul “Der politische Vorabend” im indianisch nachempfundenen Tipi-Zelt nahe dem Kanzleramt. Vielleicht ein diskreter Hinweis auf den Forschergeist des Indianers, der in die Weiten der Prärie reitet und sich der unbekannten Horizonte erfreut. Möglicherweise kennen Indianer gerade deshalb keinen Schmerz. (vwh/td/hkm)

Bild: Das Veranstaltungszelt nahe dem Kanzleramt. (Quelle: hkm)

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