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Dietmar Meister im Interview: Das LVRG stärkt die Lebensversicherung im Niedrigzinsumfeld

22.07.2014 – d-meister-150 Lebensversicherungen ohne Garantien haben am Markt keine Chance, glaubt Dietmar Meister. “Produkte ohne Garantien wurden von unseren Kunden bislang kaum nachgefragt”, sagt der Vorstandschef der Generali Deutschland im Interview mit VWheute. Anders als die Allianz, Axa und Ergo hat die Generali keine Produkte der “neuen Klassik” auf den Markt gebracht.

Dietmar Meister äußert sich im Gespräch mit VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte zu Fragen im Zusammenhang mit dem LVRG und dem Stand der Vorbereitungen zur Umsetzung der neuen Generali Vertriebs AG.

VWheute: Was bedeutet die Umsetzung des LVRG für die Generali Gesellschaften, Chance für die Lebensversicherung oder deren Untergang?

Meister: Die Generali Deutschland Gruppe begrüßt – wie im Übrigen auch der GDV – das Ziel der Bundesregierung, die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu stärken. Der Gesetzesvorschlag zur Modifikation der Beteiligung der Versicherungsnehmer an Bewertungsreserven wird daher von uns ausdrücklich unterstützt. Einige Maßnahmen schießen allerdings über das eigentliche Ziel hinaus.

VWheute: Halten die Generali Gesellschaften trotz Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent an Garantieprodukten fest?

Meister: Entscheidend ist für uns der Kundenwunsch. Die Unternehmen der Generali Deutschland Gruppe bieten schon heute mit ihrem aktuellen Produktangebot ein Höchstmaß an Sicherheit und Flexibilität. Produkte ohne Garantien wurden von unseren Kunden bislang kaum nachgefragt.

VWheute: Wie kann es der Versicherungswirtschaft gelingen, ihre Produkte für die private Altersvorsorge aus der Negativ-Kritik zu bringen?

Meister: Das ist meines Erachtens eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nur zusammen mit der Politik und auch den Medien lösen können. Wir müssen den Bürgern verdeutlichen, dass aufgrund des demografischen Wandels und der daraus folgenden Belastung für die sozialen Sicherungssysteme mehr private Vorsorge notwendig ist. Die gesetzliche Rente bildet sicher ein gutes Fundament, aber ohne betriebliche oder private Altersvorsorge werden zukünftig immer mehr Menschen ihren gewohnten Lebensstandard im Alter nicht halten können. Die Politik ist in diesem Zusammenhang aufgefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem Bürger die dringend notwendige private Altersvorsorge wirklich ermöglichen. Es kann nicht sein, dass die Niedrigzinspolitik zur Stützung von Banken und Staaten, zu einer dauerhaften Belastung von Vorsorgesparern wird.

VWheute: Stichwort Risikotragfähigkeit – Sind Sie mit den neuen Vorschriften des LVRG zu den Bewertungsreserven zufrieden und, wenn ja, warum?

Durch das LVRG wird vor allem die Risikotragfähigkeit in der Lebensversicherung gestärkt: Die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere müssen – vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsphase – nun nicht mehr kurzfristig ausgeschüttet werden. Sie kommen dem gesamten Versichertenkollektiv zugute und dienen dem weiteren Aufbau der Zinszusatzreserve.

VWheute: Ist das nicht ein Widerspruch – auf der einen Seite braucht die Branche das LVRG, auf der anderen Seite haben alle Lebensversicherer den Stresstest der Bafin bestanden?

Meister: Ich sehe darin keinen Widerspruch. Der Stresstest der Bafin zeigt, dass die Branche auch im aktuell herausfordernden Marktumfeld insgesamt gut aufgestellt ist. Müssten wir allerdings wie bisher die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere zur Hälfte ausschütten, dann ist das bildlich gesprochen so, als ob ein Segler seine Segel verschenkt, weil gerade Flaute ist.

VWheute: Kurz noch eine andere Frage, wie weit sind Sie mit der Umsetzung der von Ihnen geplanten Vertriebs-AG, wann kann diese starten?

Meister: Wir haben uns in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv mit der Gründung der neuen Vertriebsgesellschaft unter dem Markendach der Generali beschäftigt. Unser Ziel ist es, ab 2015 die beiden Stammorganisationen der Generali Versicherungen – den Generali Exklusivvertrieb und die Volksfürsorge AG – sowie die unabhängigen Vertriebe in der neuen Vertriebsorganisation zusammenzuführen. Wenn alle Gremienbeschlüsse vorliegen, können wir mit der Umsetzung der Maßnahmen im ersten Halbjahr 2015 beginnen.

Bild: “Intensiv mit der Gründung der neuen Vertriebsgesellschaft beschäftigt.” Dietmar Meister, Chef der Generali Deutschland. (Quelle: Generali)

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