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Die Woche der Wahrheiten

27.11.2015 – Baete allianzDer geopolitische Dreisprung zwischen Brüssel, Berlin und München mutierte in diesen Tagen zu einer Woche der Richtungsentscheidungen – sowohl politisch als auch unternehmerisch. So plant Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte schlichtweg nichts weniger als die digitale Führerschaft mit ökologischem Anstrich. Die Branche setzt auf den “aufgeklärten Kunden”, während das Europaparlament deren Rechte weiter stärken will.

Allianz: Vom analogen Tanker zum digitalen Schnellboot

Die Allianz gilt allgemeinhin als der Tanker unter den Versicherern: Mit einem Umsatz von 122 Mrd. Euro und einem Jahresgewinn von 6,2 Mrd. Euro erreichte der Münchener Konzern im vergangenen Jahr neue Rekordmarken – und hielt dabei die meisten Konkurrenten weiter deutlich auf Distanz. Allerdings haben Tanker auch die etwas unpraktische Eigenart, aufgrund ihrer Schwerfälligkeit Schritt zu halten mit den modernen Herausforderungen. Entsprechend ambitioniert fällt daher auch Bätes Konzernstrategie aus, welche er dem Versicherer für die kommenden drei Jahre verpasst hat.

Dabei plant der Allianz-Chef letztlich nichts anderes als die digitale Führerschaft – national wie international – und den großen Big Bang in Form einer strategischen Allianz mit dem chinesischen Suchmaschinendienst Baidu. “Damit erreichen wir 90 Prozent der chinesischen Internetnutzer”, sagte er zum Joint Venture mit dem chinesischen Gegenstück zu Google. Die entsprechenden Verträge sind bereits unterschrieben. Immerhin sieht Bäte bis 2020 im chinesischen Markt für Onlineversicherungen Prämienpotenzial von mehr als 100 Mrd. Euro. Der Fokus liegt dabei auf Versicherungsprodukten für Reiseschutz, Online-Handel und Online-Finanzdienstleistungen, befristete Krankenversicherung und Lifestyle. Kfz-Tarife sollen möglicherweise später folgen.

Fast in den Hintergrund gerät dabei dessen Ansinnen, dem Versicherer auch gleich noch einen ökologischen Anstrich zu verpassen. Demnach will die Allianz – passend zum bevorstehenden Klimagipfel von Paris – künftig weg vom Geschäft mit der Kohle hin zu klimafreundlichen Investitionen. Dabei verspricht Bäte, dass die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien von derzeit 380 auf 780 Mrd. US-Dollar bis 2035 steigen sollen. Gewinnbringender Nebeneffekt: Parallel zur Umschichtung der Kundengelder will die Allianz auch gleich noch ihr Versicherungsgeschäft in den Entwicklungsländern voranbringen.

Immer in Bätes Fokus bleibt jedoch der glückliche Kunde – und den gibt es für den Allianz-Chef nur durch den motivierten Mitarbeitern. Und ohne motivierte Mitarbeiter gibt es keine glücklichen Kunden.

Link: Allianz will digitale Führerschaft

Digitale Transformation nach Art der Indianer

Digitalisierung und Kundennähe ist das Credo, welches sich die Allianz in der jüngst in München vorgestellten Konzernstrategie von Vorstandschef Oliver Bäte auf die Fahnen geschrieben hat. Die Wucht der Aussage scheint ihren Widerhall auch einen Tag später im preußischen Berlin beim Branchentreff der Versicherer gefunden zu haben. “Wir müssen noch viel radikaler als früher vom Kunden her denken”, forderte GDV-Präsident Alexander Erdland just einen Tag später auf dem Versicherungstag.

Denn die “Digitalisierung führt zu einem epochalen Wandel. Und wir als Versicherungsgesellschaften sind mittendrin”, schrieb der Branchenchef den rund 400 anwesenden Versicherungsmanagern ins Stammbuch. Dass die Heads der deutschen Versicherer – verbunden im kollektiven Branchengeist – durchaus offen für die Macht und Mission der digitalen Wertschöpfungskette waren, belegt auch das eher ungewöhnliche Zusammentreffen mit Frederik Pferdt, dessen Berufsbezeichnung bei Google die Zukunftsbegriffe Innovation und Kreativität miteinander vereint.

Einst als Angstgegner der Versicherungsmanager gefürchtet überraschte der gebürtige Oberschwabe und Google-Manager sie mit einem ungewohnten Experiment. So sollten die Teilnehmer ihre Zukunftsvisionen auf ein Papier schreiben – und dies in Form eines Papierfliegers schließlich per Handwurf im Saal verteilten – quasi als Symbol, wie solchen Botschaften Flügel zu verleihen sind.

Link: Digitale Transformation im indianischen Tipi-Zelt

Neuer Vermittlerrichtlinie setzt auf mehr Verbraucherschutz

Eine strategische Neuausrichtung verabschiedete in dieser Woche auch das Europäische Parlament. Damit sollen die Verbraucher künftig Versicherungsangebote leichter vergleichen können. Dafür will der EU-Gesetzgeber nun strengere Vorschriften bei der Finanzberatung durchsetzen. Das Ziel der Richtlinie: den Verbraucherschutz zukünftig weiter stärken.

Die IDD-Richtlinie schreibt fest, dass Provisionen keinen negativen Einfluss auf die Beratung haben dürfen. Der Versicherungskunde soll im Mittelpunkt stehen und nicht die Abschlussprämie des Vermittlers. Und was des Verbrauchers Vorteil ist, soll dennoch nicht des Versicherers Nachteil sein. “Die IDD schafft eine stabile und europaweit einheitliche Basis für einen fairen Versicherungsvertrieb. Erhöhte Transparenzanforderungen und neue Regeln für die Weiterbildung der Versicherungsvermittler werden zu steigender Beratungsqualität im Interesse der Kunden beitragen. Damit bekommt die europäische Versicherungswirtschaft ein modernes und zukunftsfähiges Regelwerk”, kommentierte Axel Wehling, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung die neue Entscheidung.

Link: EU-Parlament beschließt Vermittlerrichtlinie

Bundeshaushalt auf Sichtweite
Weniger strategisch ausgerichtet ist hingegen der Bundeshaushalt 2016, welcher am heutigen Freitag im Deutschen Bundestag verabschiedet werden soll. Visionen waren und sind davon auch nicht unbedingt zu erwarten – eher Pragmatismus angesichts unverminderter Flüchtlingsströme im Zeichen des internationalen Terrorismus.

Daher auch wenig überraschend, dass bei der Generaldebatte eher ruhige Töne als deftiger Schlagabtausch angesagt waren – was nicht nur der Befriedung des innerkoalitionären Klimas geschuldet war. Dennoch kommt es nicht oft vor, dass die Linke Sahra Wagenknecht einer sichtlich verschnupften Kanzlerin Beifall klatscht und der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gar wahre Lobeshymnen auf Angela Merkel und ihr Krisenmanagement in der Flüchtlingskrise anstimmte.

Diese nahm den Grundton nonchalant auf und bereitete die Parlamentarier auf die wirklich strategischen Herausforderungen vor, die da heißen: Flüchtlinge, Terror, Syrien und Klimawandel – getreu der Devise: “Wir schaffen das!” (vwh/td)

Bild: Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz (Quelle: Allianz)

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