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Die wenigsten Insurtechs sind wirklich disruptiv

17.10.2016 – umschlag.inddInsurTech wird oft generell mit einer disruptiven Entwicklung in Zusammenhang gebracht. Die Kriterien, wann eine disruptive Innovation im Versicherungsbereich vorliegt, sind aus aktuellen Studien jedoch nicht ersichtlich. Damit ein Start-up disruptiv sein kann, muss es mit Versicherern in der aktuellen Versicherungswirtschaft direkt konkurrieren.

Eine Analyse eines Autorenteams um Professor Stefan Groesser von der Bern University of Applied Sciences zeigt jedoch, dass sehr viele der Start-ups die Versicherer in ihren Aktivitäten tatsächlich unterstützen. “Somit ist das reale disruptive Potenzial nicht vorhanden”, stellt das Forscherteam fest.

Die Geschäftsmodellanalyse von 97 Start-ups der globalen Insurtech-Branche in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft zeigt ein großes Angebot an Produkten und Dienstleistungen, welche in digitaler Form angeboten werden. Eine Zuordnung der Angebote der Start-ups zeigt, dass sich die digitalen Angebote über sämtliche Aktivitäten der klassischen Wertschöpfungskette verteilen. In einer Übersicht werden die Unternehmen hier (groesser_insurtechs) beschrieben.

Die Analyse ergibt, dass aktuelle Insurtech-Angebote sich in 16 Geschäftsmodellmuster differenzieren lassen. Der Großteil der analysierten Start-ups ist als Versicherungsmakler tätig. Diese werden in der Literatur oft als disruptiv bezeichnet. In der Analyse stellt sich jedoch heraus, dass die Insurtechs hauptsächlich aus Unternehmen bestehen, welche sich der Digitalisierung von bestehenden Prozessen annehmen und daher evolutionären Charakter aufweisen.

Wenn man von Disruption spricht, dann ist das Geschäftsmodellmuster Peer-to-Peer zu nennen, da es das Bestehen eines klassischen Versicherers durch die Umgehung von Intermediären in Frage stellt. Das Geschäftsmodellmuster Pay-per-Use bietet eine neue Konsumform des Versicherungsprodukts an und hat das Potenzial, bestehende Angebote zu marginalisieren. Das Versicherungs-Bedürfnis bleibt bei diesem Geschäftsmodellmuster bestehen, wird jedoch noch genauer adressiert. Bestehende Versicherer sollten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf Start-ups lenken, welche Präventionsprodukte anbieten.

Durch Prävention wird das Bedürfnis nach einer Versicherung reduziert bzw. eliminiert. Auch unterstützen einige der Start-ups die Prozessdigitalisierung der Versicherer mit verschiedenen Softwareprodukten und Technologien. Vordergründig geht es um die Kernprozesse Underwriting und Schadenmanagement. In den nächsten zehn Jahren werden sich die Umsatzquellen sowie die Margen in der Versicherungsbranche durch Technologien verändern. Ebenfalls verändern wird sich die Risikokurve, wenn Versicherer proaktiv Schäden verhindern, anstatt sie später zu decken und somit zu entschädigen.

Prof. Dr. Stefan Groesser, Lara Beer, Rina Müller

Eine ausführliche Analyse der Insurtechs lesen Sie in der Oktober-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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