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“Die Versicherungswirtschaft wird sich nicht neu erfinden”

17.06.2016 – Fedlmeier_ProvinzialDatenquellen wie das vernetzte Auto oder die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation müssen unbedingt in die internen Prozesse der Versicherer eingebunden werden. Das sieht Patric Fedlmeier, Vorstand der Provinzial Rheinland, als Voraussetzung dür die digitale Wertschöpfung bei Versicherern. Im exklusiven Interview mit VWheute mahnt er an, auch die Vetriebspartner adäquat einzubinden.

VWheute: Digitalisierung ist ein Game-Changer. In welchen Bereichen können Versicherer die meisten Punkte sammeln?

Patric Fedlmeier: Von Industrie 4.0 über Internet der Dinge und autonomen Fahrzeugen bis hin zu Smart-Watches oder Fitnessarmbändern – die Digitalisierung erfasst alle Wirtschaftsbereiche. Die Versicherungsindustrie ist mit ihren Produkten Teil der Wertschöpfungskette in einer zunehmend vernetzten Welt, in der nicht weniger, sondern etwa mit Blick auf Cyber-Risiken mehr Bedarf an adäquatem Versicherungsschutz besteht als bisher.

VWheute: Welche Potenziale hat die Auswertung neuer Datenströme? Wo sehen Sie hier die Chancen, Hindernisse und Risiken?

Patric Fedlmeier: Aufgrund neuer Datenströme können Risiken präziser eingeschätzt werden und damit kann eine schnellere Reaktion auf drohende Schäden erfolgen. Um diese Möglichkeiten auszuschöpfen, bedarf es reibungslos integrierter Prozesse. Neue Versicherungsprodukte für die digitale Welt werden zum Erfolg, wenn wir Daten in geeigneter Weise in unsere Geschäftsmodelle einbeziehen. Für Erfolg in der digitalen Welt ist aber zunächst schweißtreibende Arbeit im Maschinenraum vonnöten: Die schönsten neuen Versicherungsprodukte für das vernetzte Haus, die über eine schicke App mit dem Kunden kommunizieren, können nur funktionieren, wenn die internen Prozesse darauf angepasst wurden, mit der digitalen Welt zusammenzuarbeiten. Deshalb ist es gut, dass die Versicherungswirtschaft in den letzten Jahren die IT-Investitionen weiter erhöht und mehr Mitarbeiter in der IT eingestellt hat. Datenquellen wie das vernetzte Auto oder die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation in der Industrie müssen in unsere internen Prozesse – vom Underwriting bis hin zur Schadenregulierung – eingebunden werden. Die Chancen, die in der digitalen Wertschöpfungskette liegen, werden uns nicht von alleine in den Schoß fallen.

VWheute: Versicherungsunternehmen setzen zunehmend auf digitale Kundenkommunikation, etwa über Webportale oder Social Media. Worauf kommt es hier aus Ihrer Sicht besonders an?

Patric Fedlmeier: Es reicht nicht, eine E-Mail-Schnittstelle oder ein Kontaktformular anzubieten, um dem Versicherungsnehmer ein digitales Serviceerlebnis zu bieten; erst recht nicht, wenn am Ende Papierformulare per Post kommen. Wenn man sagt, dass man den Kunden da abholen muss, wo er steht, dann ist das heute in den sozialen Medien und am Smartphone. Der Kunde in der digitalen Welt erwartet auch von der Versicherung Praktikabilität und einfache Handhabung, schnellen und von Anfang bis Ende digitalen Service und zugleich natürlich Datensicherheit. Es kommt darauf an, dass Daten ihrer Bestimmung möglichst schnell und zielgenau zugeführt und fallabschließend digital verarbeitet werden. Die Prozesse müssen mit gängigen Schnittstellen funktionieren, die die Kunden ohnehin kennen und nutzen.

Als Unternehmen können wir aus der Digitalisierung mehr Effizienz gewinnen, die Kunden profitieren durch einfache Bedienbarkeit, Schnelligkeit und ein nahtloses Einpassen in ihren zunehmend digitalisierten Alltag. Bei der Integration der Kundendaten, egal, ob sie digital über Internet, E-Mail oder App, telefonisch oder beim klassischen Beratungsgespräch übermittelt werden, müssen wir unsere Vertriebspartner adäquat einbinden, um nicht versehentlich bestehende Vertrauensbänder zwischen Kunden und Vertriebspartnern zu durchschneiden.

VWheute: Was wird es in fünf Jahren in der Branche geben, was es heute noch nicht gibt?

Patric Fedlmeier: Am Ende ist und bleibt es das Kerngeschäft der Versicherungswirtschaft, Risiken adäquat zu versichern und Schäden auszugleichen. Dabei können digitale Daten helfen. Wir sind heute schon auf dem Weg, mit Hilfe neuer Daten oder neuer Technologien Risikoberechnungen zu verbessern. Mit erweitertem Wissen können wir helfen, Schäden schon vor deren Eintritt zu vermeiden und Prävention zu stärken. Ebenso können digital vorliegende Schadendaten Regulierungsprozesse verändern, von der automatisierten Auswertung bis hin zur Anbindung an digitale Zahlungsprozesse. Die Versicherungswirtschaft wird sich nicht neu erfinden.

Das unterscheidet unsere Produkte vom neuen Smartphone, wo jeder die Innovation bei einem neuen Gerät erkennt. Dennoch werden Versicherungsprodukte sich mehr mit dem digitalen Alltag verbinden. Diese Entwicklung geht weiter – und schafft die Voraussetzung, damit Versicherung up to date bleibt, wenn sich die Welt verändert, wenn Autos von alleine fahren oder der Kühlschrank selbständig einkauft, und all die damit einhergehenden Risiken in bewährter Weise für unsere Kunden abgesichert werden können.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz-

Bild: Patric Fedlmeier ist stellvertretender Vorstandschef der Provinzial Rheinland. (Quelle: Provinzial)

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