Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Die glänzende Seite des Demografiewandels

27.02.2014 – Senior CoupleDer geburtenstärkste Jahrgang ist jetzt 50 Jahre alt, die Geburtenrate ist auf einem historischen Tiefstand. 2031 werden die “Babyboomer”-Jahrgänge im Ruhestand sein. Dann werden zwei Beitragszahler für einen Rentner aufkommen müssen. Düstere Aussichten. Dabei lässt sich die Medaille auch umdrehen.

Das Land vergreist und das Geld reicht nicht für Renten, medizinische Behandlungen und die Pflege von älteren Menschen – eine bekannte Betrachtung der demografischen Veränderung. “Pessimismus – fehl am Platz” titelt ein Aufsatz von Axel Börsch-Supan, Direktor im Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München, wo er auch das Munich Centre for the Economics of Aging (MEA) leitet. “Der tief liegende Pessimismus übersieht, dass der demografische Wandel auch positive Seiten hat, die dazu beitragen können, dass die düsteren Zukunftsprognosen nicht Realität werden”, schreibt Börsch-Supan.

Die Geburtenrate stagniere zwar und jede neue Generation sei um etwa ein Drittel kleiner als ihre Vorgängergeneration. Doch Zuwanderung habe die niedrige Geburtenrate überkompensiert. Im Jahr 2012 ist die Bevölkerungszahl um 196.000 Menschen auf 80,5 Millionen Einwohner angestiegen – einen ähnlich hohen Zuwachs gab es zuletzt 1996.

Die Lebenserwartung wachse in jedem Jahrzehnt um etwa zwei Jahre. Die gewonnene Zeit werde aber ohne gesundheitliche Einschränkungen verbracht. Die Zeit bis zur ersten größeren gesundheitlichen Einschränkung habe sich aufgrund des medizinischen und technischen Fortschritts nach hinten verschoben. Ergo: Menschen können länger arbeiten, weil sie länger gesund bleiben. Dafür seien jedoch mehr Aus- und Weiterbildung notwendig. “Auf diesem Feld sind die skandinavischen Länder ein Vorbild; dort werden über 40-Jährige erheblich stärker gefördert als in Deutschland.” Für psychisch und physisch anstrengende Tätigkeiten müssten überdies präventive Maßnahmen geschaffen werden.

Die EU-Forschungsinfrastruktur “Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (Share)” des MEA hat ergeben, dass Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern im späteren Leben nicht nur weniger verdienen, sondern auch weniger gesund sind. Daraus ergebe sich die Relevanz frühzeitiger Bildung.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht die Demografieentwicklung nicht in Altersarmut enden. “Wer im Alter arm ist, war es häufig auch vorher”, konstatiert Alexander Erdland, GDV-Präsident. Grundsicherung im Alter beziehen derzeit 2,9 Prozent der über 65-Jährigen, wie das MEA im November 2013 festhielt. Erdland hält gute Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zusätzliche Vorsorge für die Grundlage eines guten Alterseinkommens. Zudem sollte der Übergang in den Ruhestand flexibel zu gestalten sein. “Lösungen sollten es dem Einzelnen ermöglichen, seine Lebensarbeitszeiten auch verlängern zu können.” So werde die gesetzliche und private Rente demografiefester.

Dass die Bereitschaft zu längerer Lebensarbeitszeit vorhanden ist, zeigt eine aktuelle Umfrage unter 5.000 Menschen zwischen 55 und 70 Jahren des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Bib). Rund die Hälfte der Erwerbstätigen kann sich vorstellen, nach dem Ruhestand erwerbstätig zu bleiben. Die Bereitschaft steigt, wenn der Arbeitgeber Angebote für ältere Mitarbeiter vorhält. Als wesentliches Motiv für eine längere Erwebstätigkeit nennen die Befragten finanzielle Motive. (ell)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten