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Die Fußball-WM 2014 aus Sicht der Munich Re

12.06.2014 – brasilLangsam aber sicher steigt die Begeisterung für die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Veranstalter, Spieler und Fans fiebern dem Turniers entgegen. Die Assekuranz verfolgt die Spiele aber auch aus rein professionellem Interesse. Andrew Duxbury, Underwriting Manager bei Munich Re, erläutert die Veranstaltungsausfallversicherung, eine der wichtigsten Deckungen bei Mega-Sportereignissen in aller Welt.

Berichten zufolge verfolgten 2010 über 3,2 Milliarden Menschen, also knapp die Hälfte der Weltbevölkerung, Teile der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika im Fernsehen. Im Durchschnitt zog jedes Spiel rund 188 Millionen Zuschauer an. Angesichts des hohen finanziellen Einsatzes arbeiten die weltweiten Sportverbände mit den örtlichen Veranstaltern, Sicherheitskräften sowie Erst- und Rückversicherern häufig schon Jahre vorher gemeinsam an dem Ziel, eine erfolgreiche Sportveranstaltung durchzuführen, die von Zuschauern auf der ganzen Welt an den Bildschirmen und zusätzlich noch von Millionen Besuchern live im Stadion verfolgt wird.

Mit einer Veranstaltungsausfallpolice können sich die Beteiligten gegen die finanziellen Folgen absichern, die entstehen, wenn eine Sportveranstaltung nicht wie geplant durchgeführt werden kann oder im schlimmsten Fall komplett abgesagt werden muss.

Veranstaltungsausfallpolicen können sich im Vertragswortlaut unterscheiden, da sie an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. Grundsätzlich geht es um die Absicherung gegen einen unvorhergesehenen Ausfall, Abbruch, eine Unterbrechung oder Verlegung der Veranstaltung – einschließlich der dazugehörigen Eröffnungs- und Abschlussfeiern. Die finanzielle Exponierung für Munich Re bei einem Komplettausfall der Fußball-WM in Brasilien liegt in der Größenordnung von 400 Mio. US-Dollar.

Bei der Versicherung solcher Großereignisse spielen vor allem folgende Underwritingüberlegungen eine Rolle:

  • Vertragliche Verpflichtungen/Haftung des Versicherten (Fernsehen/Sponsoring/Ticketbedingungen)
  • Politische Risiken (Krieg, innere Unruhen, Terrorismus, etc.)
  • Naturgefahrenexponierung (Erdbeben, Sturm, Hochwasser)
  • Erfahrung des Gastgeberlandes in der Veranstaltung globaler Großereignisse
  • Sicherheitsvorkehrungen
  • Infrastruktur des Gastgeberlandes
  • Notfallpläne des Veranstalters

Zu den naheliegenden versicherbaren Gefahren gehören Wetter, Naturkatastrophen, Terrorakte, übertragbare Krankheiten, Schäden an Veranstaltungsstätten, Stromausfall, Satelliten- oder Übertragungsausfall, Aufruhr, Streiks, innere Unruhen und Staatstrauer. Jede Sportart und auch jede Sportstätte hat ihre speziellen technischen Herausforderungen.

Die größte Herausforderung bei Sportereignissen dieser Dimension liegt darin, dass sie nicht spontan woanders hin verlegt werden können, wenn unmittelbar vor dem Ereignis etwas passiert. Und nicht jeder Staat wäre in der Lage, ein starkes Erdbeben wie das in China 2008 nur wenige Monate vor der Olympiade zu verkraften und trotzdem noch die Spiele wie geplant auszurichten. Bei manchen Sportereignissen kann notfalls auf andere Sportstätten ausgewichen werden. So zum Beispiel bei der Rugby-Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland. Dort ist es mit vereinten Kräften aller Beteiligten gelungen, die Wettbewerbe nach dem Erdbeben in Christchurch in anderen Städten durchzuführen. Die Versicherer trugen die daraus entstehenden Zusatzkosten.

Eine große Herausforderung kann auch der Verkehr sein. In London, wo der Verkehr schon an einem normalen Tag oft chaotisch ist, wurde für die Olympiade das schlimmste befürchtet – aber dank der hervorragenden Vorbereitung lief alles glatt. In Brasilien bestehen die Herausforderungen nicht nur in den Städten, wo die Spiele stattfinden, sondern auch darin, die großen Entfernungen zwischen den einzelnen Stadien zu überwinden.

Auch Sicherheitsaspekte sind zu beachten. Terror ist eine allgegenwärtige Gefahr, die immer bei der Risikoeinschätzung berücksichtigt werden muss. Oft sind die Länder mit der höchsten Terrorgefahr auch am ehesten in der Lage, die Bedrohung abzuwehren, insbesondere dank der intensiven internationalen Zusammenarbeit bei derartigen Veranstaltungen. Das wurde zuletzt bei den Olympischen Spielen in London und Sotchi deutlich. Der Vorsitzende des Londoner Olympischen Komitees bekannte nach den Spielen: „Diese Angst ließ mich nie los.“

Globale Veranstaltungen können internationale Konflikte in ein Land hinein tragen. Zur Einschätzung der Sicherheit sind folgende Informationen relevant:

  • Erfahrung des Gastgeberlandes – Polizei/Sicherheitskräfte
  • Hauptveranstaltungsstätten – speziell für diesen Zweck gebaut?
  • Transport der Sportler
  • Sicherheitsüberprüfung von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen
  • Notfallpläne

Die Terrorismusdeckung ist in der Regel im Hinblick auf den zeitlichen Abstand und die Entfernung von der Veranstaltung begrenzt. In Trigger-Klauseln wird festgelegt, wer die Veranstaltung absagen oder unterbrechen darf. In der Praxis entscheidet bei solchen globalen Sportereignissen die Regierung des Gastgeberlandes. Es besteht aber ein erhebliches Interesse daran, dass die Veranstaltung weiterläuft– wie das in München und Atlanta der Fall war.

Bild: Sieht aus wie ein Krone, ist aber nicht der Weltpokal, sondern das von Oscar Niemeyer erbaute Wahrzeichen der Hauptstadt Brasilia. (Quelle: vwh)

Link: FAZ: “Munich Re sorgt sich um Unruhen bei Fußball-WM in Brasilien”

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