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Die digitale Welt auf vier Rädern und die Verkehrssicherheit

02.07.2013 – Das Auto als eine der letzten Bastionen, die noch nicht permanent online sind, wurde schon mit der rasanten Verbreitung der Smartphones samt der Integration von Internetdiensten wie Facebook oder Twitter durchbrochen – auch wenn Bußgelder bei der Nutzung am Steuer drohen. Nach einer Bitcom-Umfrage möchte schon jeder vierte Käufer einen Internet-Zugang bei seinem Gefährt. Die Innovationsabteilungen der Automobilbranche richten sich auf diese digitalen Kundenwünsche einer „Mobil Connectivity“ auf Rädern ein. So treiben alle großen Hersteller die Vernetzung des Autos voran. Dass dies Aspekte der Verkehrssicherheit aufwirft, liegt auf der Hand. Chancen und Risiken der verbundenen „nahtlosen Mobilität“ wurden im vergangenen Mai auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig von Verkehrsministern aus 53 Ländern sowie Experten aus Wirtschaft und Technik diskutiert. Das Dilemma wurde deutlich: Einerseits dient die digitale Kommunikation dem besseren und sicheren Vorankommen auf den Straßen. So kann sie den Fahrer verlässlich an Staus vorbei coachen, über alternative Reisemöglichkeiten informieren und wechselnde Verkehrsmittel koordinieren. Diese Komfortseite ist schon für sich sicherheitstechnisch problematisch, weil nicht jeder Autofahrer an Cockpit und Bedienungskonsole multitaskingfähig ist. Das Allianz-Zentrum für Technik geht denn auch davon aus, dass Ablenkung vom Steuer und Straßengeschehen die Hauptursache für jeden zehnten Autounfall ist. Es gilt also, mit weiterentwickelten Assistenzsystemen, zu denen insbesondere auch Sprachbefehle gehören, diese Ablenkungsgefahren nicht zuletzt für ältere Autofahrer zu mindern. Das volle Programm dürfte auf absehbare Zeit gleichwohl nur im „ruhenden Verkehr“ gefahren werden können, auch wenn Mercedes schon daran ist, die virtuelle Sekretärin des neuesten iPhones in die Sprachsteuerung zu integrieren. Weiter geht bereits VW mit dem Temporary Auto Pilot (TAP), der es ermöglicht mit einer Konfiguration von Assistenzsystemen auf der Autobahn zu fahren, ohne die Hände am Steuer und den Fuß auf Gas oder Bremse zu haben. Das zeigt: Die Hersteller haben erkannt, dass der Mehrwert an virtueller Mobilität Hand in Hand gehen muss mit einer Einbindung und Konfiguration aller Applikationen, die zur Sicherheit beitragen.
Realistischer und nutzbringender scheint die Möglichkeit einer digitalen Interaktion des Fahrers mit seinem Autohersteller, Autoversicherer oder Automobilclub. Mit Connected Cars können die Vernetzten mit „ihren“ Mobilitätsprovidern kommunizieren und die mit ihren Kunden – mit dem Vorteil des Erhalts originärer, wertvoller Daten aus der mobilen Wirklichkeit, wie es sie bislang nicht gibt.

Während sich viele Ideen noch im Entwicklungsstadium befinden oder erste Praxistests laufen, ist das automatische Notruf-System eCall in Reichweite gerückt. So soll die europaweite Notfallnummer 112 ab Oktober 2015 in allen neuen Pkws und leichten Sport- und Utility Vans (SUVs) serienmäßig in die Fahrzeugbordelektronik integriert werden. Das hat die EU-Kommission Mitte Juni zur Einführung des eCall-Systems beschlossen. Demnach müssen alle in Europa zugelassenen Neufahrzeuge in Zukunft mit einem entsprechenden Assistenzsystem ausgestattet sein.

Gleichzeitig will Brüssel eine Richtlinie zur EU-weit operationellen Infrastruktur für Rettungsdienste auf den Weg bringen. Die EU-Mitgliedstaaten sollen in eigener Kompetenz bei erfolgtem Notruf eines verunfallten Fahrzeuges via Mobilfunknetz eine Rettungskette in Gang setzen.
Im Jahr 2012 wurden in der Europäischen Union mehr als 28.000 Verkehrsteilnehmer bei Unfällen getötet und 1,5 Millionen Menschen verletzt. „Die eCall-Technologie birgt ein großes Potenzial, die Einsatzzeiten drastisch zu verkürzen und damit Leben zu retten. Wir gehen davon aus, dass mit dem grenzübergreifenden flächendeckenden Einsatz von „112 eCall“ jährlich bis zu 2.500 Menschenleben gerettet werden können“, sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas im Interview mit Versicherungswirtschaft. Derzeit sind nur rund 0,7 Prozent der in der EU zugelassenen Fahrzeuge mit automatischen Notrufsystemen ausgestattet.
Die Versicherer kämpfen um die Hoheit bei der Schadenregulierung. Der Verbraucher soll entscheiden, in welche Werkstatt sein Auto fährt. Er bestimmt, welcher Dienstleister welche Daten erhält. Eine Vormachtstellung der Automobilindustrie oder von ihr beauftragten Dienstleistern soll so vermieden werden.

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