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Die Bürde des langen Lebens

29.06.2015 – Pensionskassen leben lange, oft viel länger als die Unternehmen, die sie geschaffen haben. Unter den 146 von der Bafin beaufsichtigten Pensionskassen befinden sich die Versorgungswerke des Norddeutschen Lloyd’s, der 1970 in der Hapag-Lloyd aufgegangen ist, die Pensionskasse der Maxhütte, die 2002 endgültig stillgelegt wurde und jetzt als Location für Filmarbeiten gemietet werden kann und viele dergleichen mehr.

Die Kassen machen erst zu, wenn auch der letzte Betriebsrentner gestorben ist. Weil die Pensionskassen in erster Linie das Langlebigkeitsrisiko zu schultern haben, stellen die niedrigen Zinsen für sie eine besonders hohe Belastung dar. “Verharren die Zinsen weiter auf der aktuellen Höhe, leiden Pensionskassen aufgrund ihres längerfristigen Geschäfts noch stärker darunter als Lebensversicherer”, warnt die Bafin in ihrem Jahresbericht. Die Aufsicht fordert von den Unternehmen, möglichst frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um die Risikotragfähigkeit zu verbessern.

Den Pensionskassen ist eine Regulierung nach Solvency II erspart geblieben. Sie hätte die Probleme schonungslos aufgedeckt. Die meisten Pensionskassen haben es versäumt, ihren Rechnungszins den neuen Kapitalmarktbedingungen anzupassen. Dadurch sind ihnen bei der Kapitalanlage stark die Hände gebunden. Derzeit profitieren die Versorgungswerke noch von hoch verzinsten Anleihen aus der Zeit vor der Finanzkrise. Im Jahr 2014 warfen die 139 Mrd. Euro an Kapitalanlagen (+6,1 Prozent) eine Nettoverzinsung von 4,1 Prozent ab.

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Im Jahr 2013 erzielten die Pensionskassen 4,4 Prozent Rendite auf ihre Kapitalanlagen. Auf 138 Prozent beziffert die Bafin die Solvabilität der Pensionskassen nach Solvency I. Eine Pensionskasse geriet in Unterdeckung. Zum Vergleich: Die Lebensversicherer weisen eine Solvabilitätsquote von 160 Prozent auf. 1,2 Mio. Rentner werden durch Pensionskassen unterstützt, 7,1 Mio. (+zwei Prozent) hoffen als Anwärter darauf, im Alter ebenfalls in den Genuss einer Rente durch ihre Pensionskasse zu kommen.

Damit sind die Pensionskassen die bedeutendste Form der betrieblichen Altersvorsorge. Direktversicherungen kommen auf einen Bestand von 7,5 Mio. Verträgen (2013, GDV). Die Zahl der Anwärter der Pensionskassen hat sich seit 2002 mehr als verdoppelt. (ba)

Die vollständigen Kennzahlen finden Sie bei Genios unter beigefügtem Link.

Grafikquelle: Bafin

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Report: Die Bürde des langen Lebens, in VW 6/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

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