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Deutschlands Problem mit der Psyche

15.08.2016 – depression_pixelioIn Deutschland nehmen die psychischen Erkrankungen seit Jahren immer weiter zu. So geht aus dem Gesundheitsreport 2016 der Techniker Krankenkasse hervor, dass sich die beruflichen Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen seit 2000 fast verdoppelt haben. Für die Versicherer könnte dies zu einem ernsten Problemen werden, heißt es in der neuen Ausgabe des Beratermagazins Value.

Auch die Deutsche Rentenversicherung zeichnet ein ähnliches Bild wie die Techniker. Knapp 75.000 der rund 188.000 bewilligten Erwerbsminderungsrenten basieren demnach auf psychische Erkrankungen. Im Jahr 2001 betrug die Zahl noch 53.500. Doch wie definieren sich psychische Erkrankungen genau?

Laut ISO-Norm “Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung” werden demnach psychische Belastungen als “Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken”, definiert. Psychische Beanspruchungen sind demnach laut Definition “die unmittelbare, nicht die langfristige, Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien”.

Konkreter wird da schon die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Zu psychischen Störungen oder Erkrankung zählen Depressionen, Alkoholerkrankungen, bipolare Störungen und Schizophrenien genauso dazu wie ADHS, Angststörungen oder das Asperger-Syndrom. Das Burn-out-Syndrom gehört hingegen nicht dazu, da es aus Sicht der WHO nicht als eigenständige Krankheit gilt.

In den Statistiken der Versicherer macht sich die Zunahme psychischer Erkrankungen ebenfalls bemerkbar. So wertete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bereits 2014 die Leistungsursachen in der Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung aus. Den Spitzenplatz mit 21 Prozent nahm demnach die Psyche als Invaliditätsursache ein.

Ein ähnliches Bild zeigt auch das BU-Rating von Morgen & Morgen. Im Rating von 2015 waren psychische Erkrankungen mit 28,6 Prozent die Hauptursache für eine Inanspruchnahme der Berufsunfähigkeitsversicherung. Im aktuellen Rating entfielen sogar 30,99 Prozent der Leistungsfälle auf psychische Erkrankungen, die beim Analysehaus als Nervenkrankheiten geführt werden.

Bei den einzelnen Versicherern fallen die Werte hingegen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Entfielen beispielsweise bei der Debeka 41,7 Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle auf psychische Erkrankungen, waren es bei der Alten Leipziger oder Zurich Deutschland lediglich 30 Prozent.

Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg, sieht durch die Entwicklung jedenfalls weitere Probleme auf die BU-Versicherer zukommen. So zeige die Zunahme an psychischen Erkrankungen zwar einerseits die Leistungsfähigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung, da sie auch bei teilweise subjektiven Beeinträchtigungen Schutz biete. Andererseits könnte diese Stärke aber gleichzeitig auch ihre Schwäche sein.

“Zum einen ist man kaum noch versicherbar, wenn schon einmal psychische Belastungen in der Biographie aufgetaucht sind, zum anderen entsteht Druck auf die Schadenbilanz. Diese Entwicklung kann die Berufsunfähigkeitsversicherung zunehmend zum Nischenprodukt werden lassen”, bilanziert Franke. (vwh/Falk Sinß)

Lesen Sie den ausführlichen Beitrag zum Thema “Burnout” in der heute erscheinenden neuen Ausgabe von Value. Das Beratermagazin.

Bildquelle: Günter Havlena / pixelio.de

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