Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Deutschland muss Alterssicherungssysteme neu bewerten

29.04.2015 – derateru_pixelioDie Zukunft der Alterssicherungssysteme bewegt nach wie vor die Gemüter der Experten. Angesichts des sich verändernden demografischen Umfeldes und der anhaltenden Niedrigzinsphase braucht Deutschland “eine umfassende Neubewertung der Alterssicherungssysteme”, fordert Wilhelm Schneemeier, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

So müsse die “Aufteilung der zwingend notwendigen umlagefinanzierten Sozialversicherung” zukunftssicher gestaltet werden, forderte er anlässlich der heute stattfindenden Jahrestagung der der DAV und der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik (DGVFM) in Berlin. Zudem sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber noch solidarischer in der betrieblichen Altersvorsorge zusammenwirken, forderte Schneemeier.

Für die Arbeitgeber ist die bAV mit Ausgaben von 34 Mrd. Euro die größte freiwillige Sozialleistung. Allerdings ist deren Ausbreitung kein Selbstläufer, weiß Ingo Kramer, Präsident der Bundesbereinigung der Deutschen Arbeitgeber (BDA). Dennoch sei “es verfehlt, eine mögliche Enthaftung der Arbeitgeber davon abhängig zu machen, dass dazu tarifvertragliche Vereinbarungen getroffen werden”, kritisierte Kramer. Dies würde “einen Keil zwischen die bestehende betriebliche Altersvorsorge und mögliche Einrichtungen der Tarifpartner betreiben”, befürchtet der BDA-Präsident.

Heribert Karch, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge, warnte zudem vor einer Aufspaltung der Arbeitnehmerschaft. “Die Feststellung der Bundesregierung, dass das Wachstum überwiegend in der privaten Wirtschaft stattgefunden hatte, muss alarmieren, nicht beruhigen”, sagte er. Denn der öffentliche Dienst sei bereits faktisch zu 100 Prozent abgedeckt, kritisierte Karch.

Michael Meister, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, sieht den Fokus hingegen eher auf den Lebensversicherungen als dritte Säule der privaten Altersvorsorge. Dafür sieht der CDU-Politiker allerdings die Versicherer in der Pflicht: Zwar müssten diese “nicht unbedingt vollkommen neue Produkte aus dem Hut zaubern”. Allerdings habe sich das “Modell des kollektiven Sparens, bei dem die Versicherungsverträge mit Garantien ausgestattet und die Versicherungsnehmer mit Überschüssen beteiligt sind”, bewährt. Allerdings seien dafür “marktgerechte niedrigere Garantien und vor allem eine geringere Kostenbelastung der Tarife notwendig”, fordert Meister.

Das mit Abstand bedeutendste Alterssicherungssystem in Deutschland bleibe aber die gesetzliche Rentenversicherung, so Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV). Allerdings würden gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen auch künftig Anpassungen in der Rentenversicherung vornehmen. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählte der DRV-Präsident die zunehmende Flexibilisierung der Erwerbsverhältnisse, die Entwicklungen im Niedriglohnbereich oder die Auswirkungen der Digitalisierung.

Dabei werde auch die Riester-Rente trotz aller Unkenrufe einen festen Platz im Drei-Säulen-System der Alterssicherung haben, meint Frank-Hennig Florian, Vorsitzender des sozialpolitischen Ausschusses des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Vorwurf, die Riester-Förderung sei ein “Subventionsprogramm für die Versicherungswirtschaft”, ist für ihn daher bloße “Stimmungsmache”. Denn wer glaube, mit vermeintlichen Subventionen “die Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung zu lösen bzw. das Rad wieder in Richtung reiner Umlagesysteme zu drehen”, irre vollends, betonte der GDV-Experte. (vwh/td)

Bildquelle: Derateru / pixelio.de

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten