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Detailliertes Management der flüssigen Mittel bringt zusätzlichen Ertrag

05.02.2015 – Ein Beitrag von Thomas Büttner, Ralf Knobloch und Oskar Goecke.

Liquidititätsmanagement trägt zum betriebswirtschaftlichen Erfolg von Versicherern bei. Dieses gewinnt immer mehr an Bedeutung bei Versicherern. Nicht jeder extreme Versicherungsschaden stellt zugleich ein extremes Liquiditätsrisiko dar.

Die liquide Belastung im Fall von Naturkatastrophen wie Hurrikan Katrina oder Großschäden wie dem Anschlag auf das World Trade Center tritt erst mit einiger Verzögerung ein. Nach anderthalb Jahren sind seitens der Rückversicherer hier lediglich 25 Prozent (World Trade Center) bzw. weniger als 60 Prozent ausgezahlt worden.

Rueckversicherer

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Anderthalb Jahre nach den Großschäden sind die Auszahlungen längst nicht komplett. (Quelle: IAIS)

Der Begriff Liquiditätsrisiko taucht im Versicherungsaufsichtsgesetz VAG an keiner Stelle auf.

Ein Liquiditätsrisikomanagement in Bezug auf die versicherungstechnischen Verpflichtungen wird nach Solvency II explizit nicht verlangt. Eine Aktuelle Studie der Fachhochschule Köln und der Compiricus AG belegt aber, dass die teilnehmenden Unternehmen das Liquiditätsrisiko hinlänglich ernst nehmen.

Die früher pauschal geäußerte Meinung, dass für Versicherer Liquidität kein Thema sei, wird ganz offensichtlich von keinem der Unternehmen geteilt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiter, dass das Thema Liquiditätsmanagement und Liquiditätsrisiko auf der Agenda der Versicherer steht. Dies scheint insbesondere vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase und dem hieraus resultierenden Anlagenotstand rational.

Das ertragsmäßige Potenzial eines durchdachten Liquiditätsmanagements lässt sich anhand einer Beispielrechnung illustrieren. Gelingt es einem Versicherer aufgrund verlässlicher Planung, die hochliquide zu haltenden Mittel nur um 50 Mio. Euro zu reduzieren und diesen Betrag zur durchschnittlichen Verzinsung der eigenen Investments von z.B. 3,53 Prozent- laut Assekurata die durchschnittliche laufende Verzinsung über alle untersuchten Tarifgenerationen und Produktarten – anzulegen, ergibt sich hieraus bereits ein zusätzlicher Ertrag von fast 1,8 Mio. Euro p.a.

Obwohl die Eingangsgrößen dieses Beispiels vor dem Hintergrund der Branchendaten durchaus als konservativ zu bezeichnen sind und damit das Ergebnis als untere Schranke des möglichen Vorteils gewertet werden kann, stellt dieser Ertrag in Zeiten stark gesunkener Margen einen durchaus nennenswerten Ergebnisbestandteil dar. Somit „lohnt“ sich Liquiditätsmanagement nicht nur aus der Perspektive von eher grundsätzlichen Risiko- und Transparenzerwägungen, und erfüllt nicht zuletzt auch die Anforderungen aus Regulierung und „good corporate Governance“, sondern trägt auch zum betriebswirtschaftlichen Erfolg der Versicherungsunternehmen bei.

Thomas Büttner ist Manager der Compiricus AG; Prof. Dr. Ralf Knobloch und Prof. Dr. Oskar Goecke sind Mitarbeiter der Forschungsstelle FaRis am Institut für Versicherungswesen der Fachhochschule Köln.

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