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Der Arzt am Schnittpunkt der Systeme

23.07.2014 – Weber-GuskarGastbeitrag von Dr. Wolfgang Weber-Guskar.

Im deutschen Gesundheitssystem knirscht es gewaltig. Das Fundament des Systems, die Solidarität, bekommt Risse. Zwischen den Polen – dem Wohl des Patienten und der Bezahlbarkeit – und damit genau an der Nahtstelle zum Leistungsempfänger steht der Hauptleistungsträger, der Arzt.

Neben der aktuellen Patientenversorgung gibt es mehrere Arbeitsfelder: Die permanente ärztliche Fortbildung sowie eine betriebswirtschaftliche und juristische Nebenausbildung. Naturgemäß müssen Vorschriften der zunehmend ausufernden Aufklärungspflicht, der Dokumentationspflicht, der Auflagen des Gewerbeaufsichtsamtes, der wichtigen Hygiene, des Brandschutzes, der Barrierefreiheit und der Tarifsicherheit als Arbeitgeber zahlreicher medizinischer Fachangestellter beachtet werden. Dies läuft mehr oder weniger reglementiert unter dem Überbegriff Qualitätsmanagement.

Auch und besonders ein Arzt muss Freude am Beruf haben, darf nicht ausgebrannt und verdrossen sein. Hier ist die politische Fantasie in verschiedenen Bereichen gefragt: Erleichterter Zugang zum Studium, verbunden mit einer Verpflichtung zur mehrjährigen Patientenversorgung im ländlichen Bereich, wäre eine Möglichkeit auch mit Blick auf den Ärztemangel auf dem Land.

Die Einführung arztentlastender Praxisassistenten, denen auch ärztliche Tätigkeiten delegiert werden dürfen, ist eine prüfenswerte Idee.

In den letzten Wochen eines Quartals könnten nicht wenige Ärzte Urlaub machen ohne Einfluss auf ihre Einnahmen, denn das Durchschnittssoll ist vorzeitig erreicht. Bei einer festen Verteilungsmasse tobt ein permanenter Kampf zwischen den verschiedenen Disziplinen um den Anteil. Wer die besseren Argumente, die bessere Lobby oder die lautere Stimme hat, verschiebt diesen Anteil zu seinen Gunsten – das geschieht immer wieder.

Gerade im Pflegebereich ist eine Rückwärtsentwicklung zu engerer, patientenbezogener Zusammenarbeit mit den Ärzten wünschenswert. Gemeinsame Visiten, gemeinsame Gespräche und nicht nur lange, oft schwer lesbare Eintragungen, markiert durch zahlreiche Reiter an den Kladden. Häufige Informationen aus zweiter Hand − und alles muss immer wieder dokumentiert werden. Es scheint wichtiger zu sein, was in den Kurven steht als das, was wirklich am und mit dem Patienten geschieht. Ein in Ruhe durchgeführtes Gespräch − so etwas steht in keinem Bericht. Wo also ist die Zeit für die Menschlichkeit, für die echte Zuwendung geblieben? Das ist keine DRG-Prozedur, dafür und für ein Lächeln gibt es keine Vergütung.

Dr. Wolfgang Weber-Guskar war 20 Jahre Oberarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses der Missions-Benediktinerinnen Tutzing. Den kompletten Artikel “Am Schnittpunkt der Systeme” mit Ausführungen auch zur Kopfpauschale und zur Konkurrenz ambulanter und klinischer Versorgung lesen Sie im Versicherungswirtschaft-Special VALUE – Vom Wert der Gesundheit.

Foto: Wolfgang Weber-Guskar, Internist und Gastroenterologe in Oberbayern (Quelle: Weber-Guskar)

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