Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Demografie im europäischen Kontext

16.05.2014 – RentnerDie demografische Entwicklung ist Thema im europäischen Ausland. In Italien herrscht Bambini-Schwund, das spanische Rentensystem steuert auf Altersarmut zu und die britischen Lebensversicherer fürchten künftig Milliardenverluste. Dagegen stimmen – rein geburtenstatistisch – die Zahlen in Belgien und Frankreich.

Der Rückgang der Geburtenrate und die zunehmende Alterung der Gesellschaft geben in Deutschland der Politik viele To-Dos ins Hausaufgabenheft bis 2050. Doch der Blick zu den Nachbarn unmittelbar vor den Europawahlen zeigt: auch Italien und Spanien klagen über Geburtenrückgänge. Für die laut OECD-Statistiken hohen Geburtenraten von 2,03 Kindern pro Frau in Frankreich ist unter anderem die Familienpolitik verantwortlich. Bemerkenswert hier ist vor allem, dass 80 Prozent der Französinnen mit zwei Kindern ihrem Beruf nachgehen, in Deutschland sind es nur rund 50 Prozent. Hinzu kommt, dass der Kinderwunsch mit zunehmender Bildung und gehobener Berufsposition in Frankreich eher steigt. Die gesellschaftlichen Eliten übenehmen Vorbildfunktion. „In Frankreich“, erklärt die Soziologin Jeanne Fagnani, „sind Kinder nicht Privatsache, sondern Teil des öffentlichen Lebens, und Familienförderung gilt als Gemeinschaftsaufgabe.“ In Belgien führt man die hohe Gerburtenrate auf geordnete Einwanderung und Einbürgerung aus den ehemaligen Kolonien in Afrika zurück.

“Bambini-Schwund im Mamma-Land”, lautet der Titel des aktuellen Korrespondentenberichts für das Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft (Heft 5/14). Zwar scheint die Bevölkerungsentwicklung auf den ersten Blick stabil. Die Geburtenraten unter den Italienerinnen steht mit Blick auf die Industriestaaten auf einem der hinteren Ränge. 1,29 Kinder bringt eine Italienerin im Schnitt zur Welt. Überfremdung ist eines der politischen Stichwörter. Denn die wachsende Geburtenrate geht auf die ausländische Bevölkerungsteile zurück. Die Zahl der Migranten wächst zusätzlich um 325.000, was eine Verdopplung der Immigrantenzahl in zehn Jahren bedeutet und  politischen Sprengstoff birgt.

Das Rentensystem in Spanien steuert auf Altersarmut zu. Nach Schätzungen der Uno wird Spanien 2050 nach Japan weltweit das Land mit dem höchsten Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen sein. Heute gibt es neun Millionen Rentner im Land, in 36 Jahren werden es 15 Millionen sein. Während des Wirtschaftsbooms im vergangenen Jahrzehnt wurden die Renten, stets gekoppelt an die Inflationsrate, alljährlich um drei bis vier Prozent erhöht. Nicht beitragsfinanzierte Renten und Mindestrenten wurden noch deutlicher angehoben. Der Handlungsdruck im Zeichen der Krise auf die Politik ist immens: im Dezember wurde das staatliche Altersvorsorgesystem reformiert. Künftig werden die Erhöhungen an die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der staatlichen Sozialversicherung Seguridad Social gebunden sein. Die Untergrenze ist dabei eine Erhöhung um mindestens 0,25 Prozent. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Probleme ist diese Untergrenze bei der diesjährigen Rentenerhöhung bereits zur Anwendung gekommen. In den kommenden Jahren dürften sich die jährlichen Rentenerhöhungen auf diesem Niveau fortsetzen. Staatliche Anreize zur privaten Altersvorsorge sollen zudem gesetzt werden.

Bei britischen Zusatzversicherungen zur Altersversorgung ist die Verrentung künftig freiwillig. Das Ansparkapital konnte sich der Versicherte in der Vergangenheit zu lediglich 25 Prozent in bar auszahlen lassen, dessen Verrentung ist zu mindestens 75 Prozent vorgeschrieben. Die aktuelle Tory-Rregierung hat nun beschlossen, dass der volle Betrag ausgezahlt werden darf. Die Versicherungswirtschaft befürchtet, dass nun eine zuverlässige Gewinnquelle wegfällt. Bis zu zwölf Mrd. Pfund an jährlicher Prämie könnte dies ausmachen.

Lesen Sie die kompletten Berichte unserer Korrespondenten Philipp Thomas, Rolf Engelhardt, Thomas A. Friedrich und Ingo-Michael Feth in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft (Heft 5/14).

Foto: Das Thema demografischer Wandel und eine älter werdende Gesellschaft ist politisch brisant in ganz Europa. (Quelle: Hubert van Roy/ pixelio)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten