Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Demografie – Baustelle ohne Erfolgsgefühl

10.04.2014 – demografischer-wandel-schild-1Die Demografie befasst sich mit der Entwicklung der Strukturen der Bevölkerung. Solche Veränderungen gehen naturgemäß nicht schnell vor sich. Oft wird von schleichenden Entwicklungen gesprochen, weil diese zwar bekannt sind, aber nicht wahrgenommen werden. Ist das Reagieren darauf auch deshalb so schwierig, weil der Erfolg oder Misserfolg dabei erst genauso langfristig sichtbar wird wie die Entwicklungen selbst?

Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg und Berater vieler europäischer Regierungen, zeigte 2010 in einem Interview dieses grundsätzliche Problem der fehlenden Langfristigkeit aller Betrachtungen pointiert am Beispiel Rente auf: „Die Deutschen leben extrem lange, da sind üppigere Renten nicht drin.“ Raffelhüschen führte aus, dass die Rentner von heute doppelt so lange Rente beziehen wie Rentner, die sie selbst als Erwerbstätige finanzieren mussten. Diese Tatsache werde aber bei den meisten Diskussionen um die Rente vergessen.

Die Demografie ist aufgrund der erst mit langer Verzögerung eintretenden Konsequenzen folglich selten Orientierungsrahmen für kurzfristige Maßnahmen. Raffelhüschen zeigt in einer Nachhaltigkeitsanalyse unter anderem folgendes: Die Abschaffung der Praxisgebühr, die dem einzelnen Bürger eine nur minimale Erleichterung bringt, wird langfristig mit einer um vier Prozent höheren Staatsverschuldung in Bezug auf das BIP erkauft. Dass auch die Bewertung der langfristigen Auswirkungen der aktuell unter dem Stichwort „Rente mit 63“ diskutierten Maßnahmen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung anders aussehen dürfte als die kurzfristige Erfolgsbilanz, liegt auf der Hand.

Einen umfangreichen Einblick in viele Bereiche bieten die jährlich vom Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung veröffentlichten Daten, Fakten und Trends. Aus dem zuletzt veröffentlichten Bericht für 2013 lassen sich auch einige interessante Trends für Versicherer herauslesen. Beispielsweise nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen in der Altersgruppe bis unter 60 Jahre kontinuierlich ab, bei den über 85-jährigen aber kontinuierlich zu. Axel Börsch-Supan, Gründer des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel und Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik, zeigt in einem Beitrag für die Bundeszentrale für politische Bildung hinsichtlich der ökonomischen Auswirkungen des demografischen Wandels auf, dass die Anzahl der Jahre, in der die Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen leben, nicht nur anteilsmäßig gleich bleibt, sondern noch schneller als die Lebenserwartung ansteigt. Demografische Analysen sind für die Versicherer also Pflichtlektüre und ein bestimmender Faktor für Markteinschätzungen. Aber auch in anderen Bereichen wird auf die Entwicklungen reagiert. Beispielsweise räumte die Gothaer Versicherung bereits 2009 bei der Überarbeitung ihrer Personalstrategie der Demografie einen zentralen Stellenwert ein. Das Fazit der Gothaer, dass man damit „auf einem guten Weg zu demografischer Fitness“ sei, zeigt den ernsthaften Umgang mit dem Thema. Schnelle Erfolge gibt es bei der Reaktion auf demographische Entwicklungen nicht. (mh)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten