Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Problematik politischer „Anreize“

25.11.2013 – Die Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien wird künftig wohl spürbar weniger üppig ausfallen als bisher. Das zeichnet sich bei den Berliner Koalitionsverhandlungen klar ab. Aber was bedeutet das für die Assekuranz, die diesen Bereich gerade erst als interessantes Feld für ihre Kapitalanlagen ausgemacht hat?

„Es ist wichtig, die richtigen Anreize zu setzen.“ Auf diese nicht gerade einfache Herausforderung an die politischen Akteure in Berlin wie in Brüssel und weltweit wies Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch beim „Versicherungstag 2013“ in Berlin vergangene Woche gleich mehrfach hin. Im existierenden Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist dies nicht der Fall, sind sich vor allem angesichts explodierender Strompreise und trotz der geplanten Energiewende inzwischen nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland einig. Der dringende grundsätzliche Reformbedarf hier war in den Verhandlungen zur Bildung einer Großen Koalition daher vergleichsweise unumstritten, und eine Einigung darüber, wo insbesondere offensichtlich allzu üppige Förderungen gekürzt werden sollen, scheint vergleichsweise schnell gefunden worden zu sein.

Für die Hersteller von Solarzellen, Biogas-Anlagen oder Windkrafträder ist das gewiss kein Grund zum Jubeln – und ebenso wenig für alle, die in diesem Bereich als Investoren bereits tätig sind oder noch einsteigen wollen. Dazu zählt auch die Assekuranz. Zwar liegt der Anteil ihrer Kapitalanlagen im Energie- und Infrastrukturbereich noch in der Größenordnung von rund einem Prozent des Gesamtbestandes, und auch der Teil der Neu- oder Wiederanlagen, der in diesen Sektor fließt, ist nach wie vor überschaubar. Als „Asset-Klasse“ präsentierten sich Investitionen in Wind- und Sonnenenergie aus Sicht ihrer Kapitalanlage-Manager aber nicht erst seit dem Problem mit dem Dauer-Zinstief „systemisch“ als geradezu ideal: Die Erträge daraus korrelieren nicht mit jenen an den Finanzmärkten; sie sind aller Voraussicht nach zudem sehr nachhaltig, weil der Energiebedarf der Welt trotz Einführung der Energiesparlampen in der EU und ähnlicher Maßnahmen kaum sinken dürfte; und dank des bisherigen EEG war selbst deren Höhe auf Jahre hinaus ziemlich genau berechenbar und sehr attraktiv. Mehr können sich Versicherer als vorsichtige und langfristige Anleger eigentlich nicht wünschen.

Der letztere Anreiz gehört – zumindest in den bisherigen Dimensionen – künftig wohl der Vergangenheit an. Alles andere bleibt jedoch wie bisher. Dazu zählt allerdings auch das aufsichtsrechtliche Hindernis, dass Investitionen in diesen Bereich nach Solvency II wie jene in Hedgefonds und andere nicht notierte Beteiligungen mit 49 Prozent Eigenkapital unterlegt werden sollen. Ein Problem der Politik besteht darin, wie man das Kapital, über das die Versicherungswirtschaft als eine der größten institutionellen Kapitalsammelstellen verfügt, und den Investitionsbedarf, den der Staat zur Bewältigung der politisch gewollten Energiewende – aber ebenso im Infrastrukturbereich – hat, in Übereinstimmung bringt. Das konstatierte, ebenfalls beim Versicherungstag 2013, der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Zuweilen scheint die Lösung eigentlich gar nicht so kompliziert, wenn man – wie das Versicherer entsprechend ihrem Geschäftsmodell tun müssen – über eine Legislaturperiode hinaus denkt und ebenso längerfristig als nur bis zum nächsten Quartals- oder Jahresbericht – also den üblichen Zeithorizonten der Kapitalmärkte, der Analysten und inzwischen mehr und mehr auch der staatlichen Aufsicht. (rem)

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten