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Change-Management: Versicherer erfinden sich neu

02.11.2015 – 726211_web_R_K_by_Dr. Stephan Barth_pixelio.de (1)In diesem deutschen Herbst der Vorsorge stellt sich die Frage: Wo stehen die Versicherer, nachdem das Quo vadis zwischen Umbruch und Aufbruch lange genug in zahlreichen Branchenforen thematisiert wurde. Dies freilich ist nicht nur eine Sache der objektivierbaren Faktenlage, sondern auch der Wahrnehmung. Der Wechsel der Perspektive ist möglich. Einige Checkpoints:

Lebensversicherung:
Hoheitlich traut man den Unternehmen nicht zu, höhere und feste Renditeversprechen über die Policenlaufzeit garantiert einlösen zu können. Die Niedrigzinsperiode ist sicher eine der Hauptursachen für diese Entwicklung, aber nicht die einzige. Die nonlinearen Erwerbsbiografien in der heutigen Gesellschaft stellen fixe Planungen für Vorsorgekunden über 20, 30 Jahre und länger unter Vorbehalt – verschärft noch durch die unsicheren Finanzmärkte. Damit ist die deutsche Lebensversicherung ihres wichtigsten Assets beraubt und wird auf den Finanzmärkten in die Konkurrenz von gleich zu gleich geworfen. Indes, es zeigt sich: Diese Konkurrenz wird angenommen mit flexiblen Versicherungsmodellen, die den Versicherungskunden an den Risiken und Chancen der Renditeerzielung teilhaben lassen. Allerdings mit einer wesentlichen Garantie am Ende dann doch: Das eingezahlte Kapital geht auf keinen Fall verloren – was bei den unberechenbaren ­Finanzmärkten doch schon einen Wert an sich für die finanzielle Lebensplanung darstellt.

Digitalisierung:

Die deutschen Versicherer werden nicht selten als zurückbleibend apostrophiert in der Nutzung der digitalen Beschleunigung und der Transformation in Strategie und Operations. „Digitalisierung droht die Versicherungsbranche zu überrollen“, lautet in diesen Tagen die Überschrift einer Mitteilung über ein globales Benchmarketing der internationalen Managementberatung Bain&Company. Nach einer Jetzt erschienenen Studie mangelt es „noch rund 60 Prozent der Unternehmen an zentralen Elementen für eine erfolgreiche digitale Transformation“. Klingt nach Rückständen; doch immerhin weist die Bain-Studie auch aus, dass zwar kein Versicherer in allen Dimensionen der digitalen Wertschöpfung fit ist, aber doch immerhin in einigen. Das klingt wiederum nach dem halb leeren oder doch halb vollen Glas des Möglichen. Die Dynamik der digitalen Aufrüstung ist durchaus machtvoll. So stiegen im vergangenen Jahr die IT-Ausgaben der Versicherer um fast sechs Prozent auf 4,25 Mrd. Euro. Die Fortschritte finden in vielfältigen innovativen Bewegungen statt und nicht immer auf der großen Bühne.

Produktinnovation:

Die Cyber-Risk-Geschäftsmodelle sind ein mit außerordentlicher Dynamik beschrittenes Geschäftsfeld. Es verspricht enormes Wachstum, erfordert aber auch ebenso großen Mut, sich den Unvorhersehbarkeiten mit schier explodierenden Dimensionen zu stellen und sie risikotechnisch zu bewältigen. Überhaupt ist die Schaden- und Unfallversicherung weithin auch Anführer richtungweisender Innovationsprozesse.

Die Anforderungen von Markt, Politik und Gesellschaft werden begleitet von einem leisen, aber intensiven Change auf den Top-Ebenen der Versicherungsunternehmen. Die Vorstands- und Unternehmenskultur entwickelt sich weiter. Fortschritte auch bei der Richtungssuche der Vermittler in der kompressiven Welt der Regulierung, in Qualifikation und keineswegs zuletzt in einer neuen berufsständischen Ethik. Wer den Change will, muss daran glauben, dass er gelingt. (hkm)

Bildquelle: Stephan Barth / pixelio.de

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Aus der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft (Heft 11/15):

> Zwischen Change & Success 

    1115_VW_Print

  • Report: Pegelstände. Heinz Klaus Mertes über den Perspektivwechsel in der Versicherungswirtschaft. (zum Beitrag)
  • Interview: “Versicherung heute heißt Chance”. GDV-Präsident Alexander Erdland über Neuerungsdruck und Fortschritt deutscher Versicherer. (zum Beitrag)
  • Report: Kapitel des Erfolgs: Versicherungsplayer blicken auf ihre Success-Momente 2015. (zum Beitrag)
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