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Britische Regierung unter Flood Re Zugzwang

18.02.2014 – kuh-wasserVon VWh-Londonkorrespondent Philipp Thomas: Während der Monate Januar und Februar 2014 hatte Großbritannien bislang das doppelte der üblichen Niederschlagsmenge zu verkraften. Zwei Naturereignisse hatten sich gegen die Bevölkerung verbündet: stürmische See an der Ostküste und anhaltende Regenzüge. Weite Landstriche (Grafschaften Somerset und Surrey) sind nur noch amphibisch zu erreichen.

Ganze Dörfer sind mit Sandsäcken verbarrikadiert und von der Bevölkerung verlassen. Immerhin verhinderte die quer durch die Themse laufende Barriere eine Flutung weiter Teile von London. Die möglicherweise eine Mrd. Pfund kostende Serie von Elementarschäden droht zu einem künftige Wahlkämpfe entscheidenden Politikum zu werden.

Der britische Versichererverband ABI beziffert die Kosten der 2012er Überschwemmungen mit 400 Mio. Pfund. Die Schäden aus der Zeit 23.12.2013 bis 8.1.2014 belaufen sich gemäß ABI bereits auf 426 Mio. Pfund. Es gehe um 176.000 Einzelmeldungen betreffend Immobilien, Inhalt und Autos.

Allerdings kommen hierzu mittlerweile zusätzliche Schäden aus einem ganzen Monat. Das Ende ist noch nicht abzusehen. Justin Gott vom Lloyd’s Versicherer Hiscox prognostiziert für den Fall eines Anhaltens der ungewöhnlichen Wetterverhältnisse bis März oder gar April einen Marktschaden von einer Mrd. Pfund. Dies mag erschrecken, relativiert sich aber im Vergleich etwa zum Hurricane-Exposure in Florida in Höhe von 50 oder 100 Mrd. US-Dollar.

Bereits vor Beginn der jetztigen Fluten wurde kontrovers über die Versicherung von Überschwemmungsschäden diskutiert. Die britische Assekuranz war nicht länger bereit, die zunehmende Zersiedlung der Landschaft und damit einhergehende Verschiebung zu exponierteren Risiken mitzumachen. Einen Kompromiss sollte die Mutualisierung schlechter Risiken durch die Gründung des Non-Profit-Spezialrückversicherers Flood Re bringen. Dieser soll aber wohl nur für die Risiken aus selbst genutzten Privathäusern gelten, für vermietete Objekte sowie generell alle nach 2009 errichten Gebäude sollen nach dem Willen der Assekuranz die Eigentümer künftig risikoadäquate Prämien zahlen müssen. Der Hiscox CEO Bronek Masojada kritisierte, Flood Re werde ein Sechstel der Hauseigentümer in eine verzweifelte Lage versetzen, das Konzept werde in der Praxis nicht funktionieren.

ABI veröffentlichte eine Zehn-Punkte-Verpflichtungserklärung der britischen Assekuranz, die insbesondere die rasche, unbürokratische und Verluste mindernde („resilient repairs“) Schadenerledigung betrifft. Man verpflichtet sich auch zu à conto Schadenzahlungen sowie zur künftigen Unterstützung der neuen Spezialrückversicherungsgesellschaft Flood Re.

Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen. An erster Stelle rangieren die Wettergötter, des weiteren aber wird die britische Regierung dafür verantwortlich gemacht, dass Deiche und Küstenbefestigungen nicht besser unterhalten wurden.

Premier David Cameron verwendete Formulierungen, die an die Worte von Winston Churchill angesichts der Battle of Britain erinnerten. Publikumswirksam schaufelten die beiden Prinzen des Hauses Windsor  Sand in Säcke. Groß ist anscheinend die Furcht, die Naturereignisse könnten gar einen politischen Erdrutsch auslösen. Die Angelegenheit droht im nächsten Wahlkampf eine Rolle zu spielen. (EU-Parlament 22.5.2014, Schottisches Unabhängigkeitsreferendum September 2014, Unterhauswahlen 7.5.2015). Wahrscheinlich müssen die Tories, wollen sie wiedergewählt werden, die ab 2015 geltenden Mutualisierungs-Regeln noch wesentlich großzügiger gestalten. (cpt)

Bild: Das Hochwasser in England stellt Mensch und Tier vor große Herausforderungen. (Quelle: vwh)

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