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Bismarcks Bezug zur Versicherung

01.04.2015 – ottovonbismarck_wikipediaEin Beitrag von Peter Koch. Otto von Bismarcks Beziehungen zur Versicherung waren zum Teil zwiespältig, mitunter wechselhaft und widerspruchsvoll. Die Notwendigkeit der Versicherung hat er nie in Zweifel gezogen, aber an der Durchführung der Privatversicherung häufig Kritik geübt, die auch persönliche Gründe hatte, so dass seine Ansichten nicht immer fundiert waren.

Mit seinen Gutshöfen in Varzin und Friedrichsruh war Bismarck ein guter Versicherungsnehmer, der beträchtliche Prämien zahlte, sich aber über die hohen Dividenden der Versicherungsgesellschaften ärgerte. Er übte Kritik am Regulierungsverhalten, setzte aber im Rahmen der Gesetzgebungsmaschinerie des jungen Kaiserreiches keine Vorschriften zur Regulierung des Versicherungswesens durch, die erst nach seinem Tode kamen. Wegen der von ihm angegriffenen Dividendenpolitik der Aktiengesellschaften schloss er den Gedanken einer Verstaatlichung nicht aus, versicherte seine Anwesen selbst aber bei dieser Unternehmensform und nicht bei den zuständigen öffentlich-rechtlichen Gebäude-Versicherungs-Anstalten. Die Genehmigung von Versicherungs-Aktiengesellschaften fiel in seine Zuständigkeit als preußischer Handelsminister von 1880 bis 1890.

1881 stellte der Kanzler das Ansehen Kaiser Wilhelms I. in den Dienst seiner sozialen Pläne. In Gestalt der von Bismarcks Handschrift persönlich überarbeiteten Kaiserlichen Botschaft wurde dem neuen Reichstag zu Beginn seiner Eröffnungssitzung im königlichen Schloss zu Berlin die gesamte Konzeption der Sozialversicherung unter Ausdehnung auf den Schutz vor Alter und Invalidität angekündigt.

Als erster Zweig der Sozialversicherung fand die gesetzliche Krankenversicherung nach eingehenden Reichstagsberatungen ihre Regelung durch das Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883. Langwieriger wag der Weg zur gesetzlichen Unfallversicherung, da erst der dritte Entwurf am 6. Juli 1884 im Reichstag eine Mehrheit fand. Das Unfallversicherungsgesetz brachte erstmals das Prinzip der Haftungsersetzung durch Versicherungsschutz, indem es den Unternehmern die Haftung gegenüber ihren Arbeitnehmern abnahm und eine Entschädigung aller Betriebsunfälle, die den Tod oder eine Erwerbsbeeinträchtigung herbeiführten, begründete. Versicherungsträger wurden die neu ins Leben gerufenen Berufsgenossenschaften, die auf dem versicherungstechnischen Prinzip des genossenschaftlichen Zusammenschlusses beruhen und als „ureigenste Schöpfung“ des Fürsten Bismarck bezeichnet worden sind.

Den Schlussstein der in der Kaiserlichen Botschaft propagierten Sozialgesetzgebung bildete das Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889, das ebenfalls auf dem Prinzip der Versicherungspflicht beruhte und alle Arbeiter ohne Rücksicht auf die Höhe ihres Einkommens und diejenigen Angestellten einbezog, deren regelmäßiger Jahresarbeitsverdienst 2.000 Mark nicht überstieg.

Den ausführlichen Beitrag von Prof. Peter Koch lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bild: Otto von Bismarck im Jahre 1886. (Quelle: Immanuel Giel / Wikipedia gemäß GNU)

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