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Big Data für Versicherer: Tech- und Geschäftsthema

25.09.2014 – Weiss_GartnerGanz am Anfang sieht Jürgen Weiss die Versicherungswirtschaft in Sachen Big Data. Die Einsicht, dass es sich weniger um ein Tech-Thema, vielmehr um ein Geschäftthema handelt, müsse sich noch durchsetzen, erklärt der Research Vice President beim Analysten Gartner im Interview mit VWheute.

„Lediglich ein Viertel der Unternehmen beschäftigen sich laut Gartner-Erhebungen derzeit erst mit der Implementierung von Big Data-Techniken“, entgegnet Versicherungsexperte Jürgen Weiss der Frage nach dem Status Quo der Versicherungsbranche: „Hier sind dann neben den sogenannten Early Adoptern aber bereits die mit eingeschlossen, die Untersuchungen zur Machbarkeit oder Pilot-Projekte am Laufen haben.“

VWheute: Welches sind die konkreten Anwendungsszenarien für Big Data Analysen in der Versicherungsbranche?

Jürgen Weiss: Bei Versicherern sehe ich in der Kundensegmentierung ein wichtiges Einsatzfeld. Sie können beispielsweise ein eigenes Netzwerk generieren, das Kunden aktiv in die Produktgestaltung einbindet. Der Versicherer kann so wichtige Daten zu Weiterempfehlungen und Loyalität gewinnen. Im Underwriting eröffnen sich Perspektiven gerade im Nachgang des Unisex-Urteils des EuGH. Risikoprofile lassen sich mittels strukturierter wie unstrukturierter Daten erstellen – Stichworte hier: Telematik und Geoscoring. Gerade auch für Betrugsermittlung gibt Big Data Werkzeuge an die Hand: Sie können als Versicherer beispielsweise zumindest von einem Anfangsverdacht ausgehen, wenn sie anhand der Logfiles feststellen, dass sich der Versicherte zwei Wochen vor einem Schadenfall auf der Website die Vertragsdetails abgerufen hat. Schließlich können Sie in der Produktgestaltung neue Wege gehen, wenn Sie die Mögichkeiten der Datenanalyse ausschöpfen. Pay as you drive können Sie mit etwas Fantasie bis zum „Pay as you live“ ausbauen. Armbänder, Apps, die Schritte zählen und Kalorien melden, sind längst keine Zukunftsmusik mehr.

Wo sehen Sie die Hindernisse für den Einsatz von Big Data?

Die neue Technik zur Analyse von Big Data muss in die bestehende IT-Landschaft integriert werden. Oft mangelt es aber nicht nur an der Aufbereitung der Daten, sondern bereits die Bereitstellung ist nicht unproblematisch. Mehr als die Hälfte der Kernprozesse auch bei großen Versicherern ist monolithisch in Mainframe vorgehalten und lässt sich genauso schwer extrahieren wie dezentral verstreut gespeichertes Material. Oft scheitert die IT-Abteilung daran, den Nutzen in die Fachbereiche zu kommunizieren. Die notwendigen personellen Ressourcen fehlen oft ebenso. An dieser Stelle sind Data Scientists gefragt, die über IT- und über betriebswirtschaftliches Wissen verfügen. Hier haben meines Erachtens auch die Universitäten noch nicht angemessen reagiert.

Und die Datenschutzrechliche Komponente?

Die technische Seite hat sich natürlich mit Aspekten des Datenschutzes zu beschäftigen: wie kann ich beispielsweise die Sicherheit der von mir erhobenen und gespeicherten Daten gewährleisten? Im Zweifel liegen strukturierte Daten wie persönliche Profile und Logfiles zusammen mit unstrukturierten Daten – Kommentare aus Facebook, Notizen und E-Mails oder gar DNA-Profile – gemeinsam auf meinen Servern. Welche Daten gesammelt und wie diese dann tatsächlich verarbeitet werden, ist letztlich eine geschäftspolitische Entscheidung.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

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