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BGM 2.0: E-Health-Lösungen für Arbeitnehmer

29.10.2014 – filip_mess_uni_konstanz_150Technologieorientierte Entwicklungen setzen neue Impulse für das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Im Exklusiv-Interview mit VWheute spricht Dr. Filip Mess, Professur für Gesundheitsförderung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, über moderne Tools und Anreizsysteme für die Entwicklung positiven Gesundheitsverhaltens bei Arbeitnehmern.

VWheute: Welches sind die wichtigsten Trends im betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Filip Mess: Die meisten Trendthemen basieren aus unserer Sicht auf der Frage, wie vor allem die weniger gesundheitsaffinen Beschäftigten in Unternehmen zu einer Teilnahme an Gesundheitsangeboten bewegt werden können. Auf diese Herausforderung treffen wir in der betrieblichen Praxis immer wieder. Hier sehen wir – abgesehen von der Durchführung unternehmensspezifischer Bedarfsanalysen – derzeit vor allem drei Lösungsansätze: Die Optimierung der betrieblichen Gesundheitskommunikation, die Integration von Gesundheitsmaßnahmen direkt in den Arbeitsalltag der Beschäftigten (aufsuchende Gesundheitsförderung) und das Thema „BGM 2.0“, unter dem wir den Einsatz moderner E-Health-Technologien wie Apps, Smartwatches oder Gesundheitsportale zur Mitarbeitermotivation und -information verstehen. Neben diesen drei Trendthemen, die vor allem auf die Erschließung neuer Zielgruppen für das BGM in Unternehmen zielen, stellen wir einen Bedeutungszuwachs der Handlungsfelder Schlaf und Erholung in der Arbeitswelt, Präsentismus und – aufgrund gesetzlicher Bestimmungen – Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz fest.

Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die größten Baustellen bzw. Hindernisse bei deren Umsetzung?

Das ist je nach Thema ganz unterschiedlich. Im Bereich der betrieblichen Gesundheitskommunikation zählt sicher die enge Zusammenarbeit der Gesundheitsverantwortlichen eines Unternehmens mit der internen Kommunikationsabteilung zu den zentralen Herausforderungen. Zudem klammert man sich bei der Gesundheitskommunikation häufig an gängige Informationskanäle im Unternehmen, anstatt auch einmal neue Kommunikationswege aus dem Bereich E-Health oder der Verkaufsförderung in Betracht zu ziehen. Beim Thema „BGM 2.0“ ist es sicher entscheidend, die Mitarbeitervertretung und die Datenschutzbeauftragten von Anfang an in die Projektplanung einzubinden und Ängste im Hinblick auf das Thema Datenschutz früh zu nehmen. Beim Handlungsfeld Schlaf und Erholung in der Arbeitswelt, womit wir sowohl auf eine Optimierung des Nachtschlafs von Beschäftigten als auch auf eine Integration von Schlafpausen in den Arbeitsalltag zielen, haben wir stellenweise noch mit einem Akzeptanzproblem zu kämpfen, da Schlaf in Deutschland vielerorts als „Schwäche“ angesehen wird. Aber hier wandelt sich das Bild rasant – vor allem bei den größeren Unternehmen.

Welche modernen Tools und Anreizsysteme für die Entwicklung positiven Gesundheitsverhaltens bei den Beschäftigten könnten zum Einsatz kommen?

Hier gibt es spannende Entwicklungen auf dem betrieblichen Gesundheitsmarkt. So gibt es bspw. internetbasierte Gesundheitsplattformen, auf denen die Beschäftigten bequem von zuhause aus Gesundheitskurse im Unternehmen oder – wenn Sie keine Lust auf betriebsinterne Angebote haben – bei externen Gesundheitsanbietern in direkter Wohnortnähe buchen können. Andere vielversprechende Tools gibt es im Bereich Vitaldaten-Monitoring, durch das die Beschäftigten wertvolle Informationen über ihr eigenes Aktivitätsverhalten oder Schlafverhalten erhalten. Im Bereich der aufsuchenden Gesundheitsförderung lassen sich moderne Trainingsmittel wie Balance Pads oder Slingtrainer sinnvoll nutzen, um die Beschäftigten zu motivieren und positive Gesundheitseffekte zu erzielen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: Filip Mess, Professur für Gesundheitsförderung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. (Quelle: Mess)

Link: Betriebliche Gesundheitsförderung – Deutschlandweite Projekte auf einem Blick

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