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Betrug bei Personenschaden: Kein eindeutiges Täterprofil

09.10.2014 – hoeher_BLDGelegenheit macht Betrüger in Sachen Haftpflicht- und Kfz-Personenschäden. Meist handelt es sich um Fälle, bei denen tatsächliche Schäden vergrößert werden, erklärt Rechtsanwalt Heinz Otto Höher im VWheute-Interview. Aus seiner Prozesspraxis schätzt er, dass mindestens in einem viertel aller Prozesse bewusst ungerechtfertigte Ansprüche geltend gemacht würden.

Heinz Otto Höher, Leiter des Personenschadenzentrums bei Bach Langheid und Dallmayr in Köln, sagt weiter, dass eine Schätzung einer finanziellen Größenordnung unmöglich sei, denn “selten handelt es sich um Fälle, die insgesamt vorgetäuscht sind. Vereinzelt werden bewusst ungerechtfertigte Ansprüche auf Ersatz eines entgangenen Gewinns von mehr als 1 Mio. Euro geltend gemacht. Zum Teil sind es aber auch nur kleiner Forderung von unter 1.000 Euro.”

VWheute: Welche Trends im Bereich vorgetäuschter Personenschäden stellen Sie fest?

Höher: Aktueller Trend ist die Geltendmachung überzogener Forderungen beim Haushaltsführungsschaden. Anhand einschlägiger Tabellenwerke wird wider besseren Wissens eine umfangreichere Tätigkeit im Haushalt vor dem Unfall behauptet und gleichzeitig der Grad der Einschränkung übertrieben. Hierbei kann es durchaus um gravierende Forderungen von 200 bis 500 Euro im Monat gehen. Weiteres Themenfeld sind die psychischen Schäden, die als solche eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung gefunden haben. Sie sind wissenschaftlich nur schwer fassbar und dem Geschädigten stehen nach § 287 ZPO erhebliche Beweiserleichterungen zur Verfügung, die nicht selten ausgenutzt werden.

Wo liegen die Haupt-Schwierigkeiten in der Regulierungspraxis?

Die Regulierungspraxis im Personenschaden ist davon geprägt, für den Geschädigten eine adäquate Regulierungslösung zu finden und unterstützend tätig zu werden. Die Strategie des Versicherers ist bei tatsächlichen Personenschäden auf Kooperation und Hilfestellung ausgerichtet und nicht dem Bestreben, Ansprüche zur Reduzierung des Schadenaufwands möglichst abzuwehren – so schon Bischoff auf dem Verkehrsgerichtstag 2008 und in ZfS 2008, 122, 126. Betrügerische Manipulationen stellen daher einen Störfaktor dar, der die effiziente Schadenregulierung gegenüber dem ehrlichen Opfer beeinträchtigt.

Wie können Betrugsfälle aufgedeckt werden?

Es gibt keine schematischen Sachverhalte wie im Kraftfahrtsachschaden, so dass nur eine individuelle Bewertung möglich ist, die im Zweifel für den Geschädigten ausfällt. Eine Aufdeckung von Betrugsfällen ist durch eine fortwährende Plausibilitätsbetrachtung möglich, die durch strukturierte Daten in elektronischen Akten erleichtert werden kann.

Welche Strategien zur Betrugsabwehr können Versicherer im Vorfeld anwenden?

Erfolgreiche Betrugsabwehr im Personenschaden setzt eine hohe spezifische Fachlichkeit und Erfahrung im Personenschaden voraus. Beratende Mediziner und eine umfassende Erfassung der Gesundheitsdaten sind wichtig, um die Plausibilität zu prüfen und Unstimmigkeiten aufzudecken. Betrugsspezialisten des Versicherers sollten von der Personenschadenabteilung einbezogen werden.

Die Fragen stellte VW-Redakteurin Silvia Ellinger.

Bildquelle: BLD

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