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Versicherer können adverse Preisspiralen auslösen

19.05.2015 – Foerstemann_BundesbankVon Till Förstemann, Deutsche Bundesbank. Aufgrund der hohen Investitionen des deutschen Versicherungssektors in das Bankensystem könnten Banken gegenüber Schieflagen im Versicherungssektor besonders anfällig sein. Probleme im Versicherungssektor können das Vertrauen in das Finanzsystem als Ganzes gefährden und seine Stabilität beeinträchtigen.

Die von Versicherern wahrgenommenen Funktionen bei der Risiko- und Kapitalallokation gehen mit einer engen Verflechtung mit anderen Wirtschaftssektoren und dem Finanzmarkt einher. Es zeigt sich, dass die Risikoübertragung von Versicherern auf das Bankensystem deutlich kleiner ist als umgekehrt. Dabei ist dieser Zusammenhang im Zeitverlauf nicht konstant und die Risikoübertragung hängt vom Stressniveau ab. Für die Finanzstabilität insgesamt sind die Banken insoweit von größerer Bedeutung als die Versicherer.

Ansteckungseffekte

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Welche Gefahren gehen von Versicherern aus? (Quelle: Deutsche Bundesbank)

Probleme im Versicherungssektor – beispielsweise als Folge von Marktschocks wie Rating-Herabstufungen von Wertpapieren in den Portfolios der Versicherer – können dazu führen, dass Versicherer in größerem Umfang Kapitalanlagen liquidieren. Diese Notverkäufe (Fire Sales) können adverse Marktpreiseffekte haben und destabilisierende Preisspiralen auslösen.

Auch können Versicherer die Finanzstabilität gefährden, wenn sie zu einer falschen Bewertung von Risiken beitragen. Ein Beispiel sind die Übertreibungen im Bereich der Kreditausfallversicherungen. Die größten deutschen Versicherer halten ein Nominalvolumen an verkauften Kreditabsicherungen von weniger als ein Prozent ihrer Bilanzsumme.

Jedoch können auch im traditionellen Versicherungsgeschäft Gefahren aus zu optimistischen Annahmen hinsichtlich der Bewertung von Risiken auftreten. Dies trifft beispielsweise auf viele Lebensversicherer zu, da sie lang laufende Verträge mit hohen Zinsgarantien abgeschlossen haben. Hier wurden Risiken eingegangen, die am Finanzmarkt nur schwer abzusichern sind. Die bei den Lebensversicherern verbleibenden Risiken sind angesichts ähnlicher Geschäftsmodelle in der Branche hoch korreliert und wirken potenziell prozyklisch.

Insgesamt können die Maßnahmen des LVRG dazu beitragen, die Stabilität deutscher Lebensversicherer in einem lang anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu erhöhen, wobei der Begrenzung der Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven in der Praxis eine besondere Bedeutung zukommen dürfte.

Die umfangreichen Investitionen in Staatsanleihen führen mitunter zu einer engen Verbindung zwischen Versicherern und Staaten, mit der Gefahr entsprechender Ansteckungseffekte. Das Staatenportfolio der größten deutschen Versicherungskonzerne umfasste Ende des ersten Quartals 2014 knapp 467 Mrd. Euro. Dies sind 27 Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen.

Ähnlich wie bei Banken ist die Diversifizierung in den Staatsanleiheportfolios der Versicherer gering. Gut 38 Prozent der Staatenforderungen (179 Mrd. Euro) entfielen auf öffentliche Stellen in Deutschland.

Bild: Till Förstemann vom Zentralbereich Finanzstabilität bei der Deutschen Bundesbank spricht heute beim Assekuranz-Messekongress Finanzen & Risikomanagement. (Quelle: Deutsche Bundesbank)

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