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BDA-Präsident warnt vor Bürokratie in der bAV

04.07.2016 – Kramer_BDADeutschland liegt europaweit beim Thema bAV-Anwartschaft über dem EU-Durchschnitt. Die Bundesregierung plant die betriebliche Altersvorsorge zu reformieren und will dazu einen ersten Reformentwurf noch in dieser Legislaturperiode vorlegen. BDA-Präsident Ingo Kramer skizziert im Interview mit der Versicherungswirtschaft die Reformanstrengungen sowie neue Szenarien in der betrieblichen Altersversorgung.

VWheute: Die schwarz-rote Bundesregierung ist entschlossen, die betriebliche Altersversorgung zu reformieren. Wo sehen Sie gegenwärtig die größten Hürden?

Ingo Kramer: Wegen einer beispiellosen Niedrigzinsphase steht die kapitalgedeckte Altersvorsorge insgesamt vor einer großen Herausforderung. Diese belastet gegenwärtig viele Arbeitgeber, die sich in der bAV engagieren. Sie müssen für gleich hohe Renten heute mehr zahlen. Diesem gestiegenen Aufwand muss die Politik Rechnung tragen, indem sie die Möglichkeiten des Betriebsausgabenabzugs für bAV entsprechend erhöht und bei Unternehmen mit rückstellungsfinanzierter bAV den vollen hierfür erforderlichen Aufwand steuerlich anerkennt. Heute müssen Unternehmen ihre bAV dagegen oftmals zu einem großen Teil aus bereits versteuertem Einkommen finanzieren. Das darf nicht so bleiben. Hier muss die Politik handeln, anstatt darüber nachzudenken, wie die weitere Verbreitung der bAV durch sanfte oder weniger sanfte Zwangsmaßnahmen hergestellt werden kann.

VWheute: Wir haben mehr als 43 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, aber nur 19,6 Millionen haben eine Anwartschaft auf eine Betriebsrente. Warum ist die bAV so wenig verbreitet? Was ist denn das Problem in der bAV am Standort Deutschland?

Ingo Kramer: Wir haben insgesamt 43 Millionen Erwerbstätige, von denen rund 31 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Bei den 43 Millionen Erwerbstätigen zählen etwa Selbstständige und Beamte mit, die in der Regel gar keinen Betriebsrentenanspruch erwerben können. Unter den 31 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben hingegen fast zwei Drittel mindestens eine bAV-Anwartschaft. Damit liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der EU. Die bAV ist in Deutschland also sehr stark verbreitet, zumal sie in den letzten 15 Jahren um rund ein Drittel zugenommen hat. Natürlich gibt es weiter Luft nach oben, die besser genutzt werden kann, wenn sich die Rahmenbedingungen für bAV verbessern.

VWheute: In anderen Ländern sind Betriebsrenten ein tragender Bestandteil der Altersversorgung. Was macht man dort besser?

Ingo Kramer: Die Gewichtung der einzelnen Altersvorsorgesysteme variiert zwischen den Ländern erheblich und kann nicht losgelöst vom jeweiligen sozialen Sicherungssystem und dem Steuerregime beurteilt werden. In Großbritannien oder der Schweiz, wo die bAV eine wichtige Rolle spielt, liegen die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zum Beispiel deutlich niedriger als bei uns. Dementsprechend haben Arbeitgeber und Beschäftigte größere Spielräume für die bAV. Richtig ist gewiss, dass wir in einzelnen Bereichen von anderen Ländern lernen können. Interessant ist zum Beispiel, dass in Ländern mit einem hohen Anteil kapitalgedeckter Altersvorsorge das Vertrauen in die Sicherheit und Chancen der Kapitalmärkte deutlich größer ist. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Garantien ist in Deutschland vergleichsweise stark ausgeprägt. Aber gerade diese Garantien sind in Zeiten der Niedrigzinsphase sehr teuer, und die Chancen der Kapitalmärkte können nicht genügend ausgeschöpft werden.

bestellen_vwhLesen Sie das komplette Interview mit Ingo Kramer in der Versicherungswirtschaft 7/2016 (Einzelbeitrag)

Bild: Ingo Kramer ist Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. (Quelle: BDA)

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