Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Baustellen der Versicherungsaufsicht

10.05.2016 – Grund_PrivatBafin-Versicherungschef Frank Grund hat jetzt erste Daten und Berichte zum jüngst gestarteten Regulierungsregime Solvency II vorliegen. Nicht zuletzt bei Lebensversicherern stellt sich damit die Frage, wie die Spreu vom Weizen zu unterscheiden ist. Heute legt die Finanzaufsicht ihren Jahresbericht vor. VWheute beleuchtet die Ausgangslage anhand der zentralen Fragen.

“Die vielfältigen Risikomanagement-Anforderungen können erst über die nächsten ein, zwei Jahre vollständig eingeübt werden”, sagt Frank Grund im Interview mit Aktuar Aktuell. Allerdings will er bereits Hinweise vorlegen, inwieweit eventuell Nachbesserungsbedarf bestehen könnte. Wie auch Moody’s weisen die Deutschen Aktuare darauf hin, dass ein sachgerechter Vergleich von Solvenzquoten schwieriger als zuvor ist. Übergangsregelungen oder Mechanismen wie das “Volatility Adjustment” oder das “Matching Adjustment” seien zu beachten – auch, ob ein Unternehmen gemäß Standardformel oder internem Modell ermittelt.

Die von der Eiopa vorgegebenen Grundgedanken der Solvabilität, Transparenz durch Wettbewerb und Preiseffizienz, Marktdisziplin und Vertrauen und Marktstabilität, sind so offensichtlich schwer nachzuvollziehen. Bei den Banken hat die Bafin längst eingesehen, dass die Überarbeitung des Modellansatzes notwendig ist.

Lebensversicherer weiter in der Zange

Frank Grund will die Daumenschraube bei der Zinszusatzreserve für die Lebensversicherer weiter anziehen. “Alles andere wäre fahrlässig”, lautet sein Credo. Die Versicherer ächzen pflichtbewusst unter den 10 Mrd. Euro, die allein 2015 zurückgestellt werden mussten. In den kommenden Jahren sollen sich die Unternehmen noch mehr auf die Rippen schaffen, um ausbleibende Zinserträge am Kapitalmarkt aufzufangen. Doch Kritiker werfen sowohl der Branche als auch der Politik vor, dass genau an dieser Stelle Kunden systematisch Überschüsse vorenthalten werden. BdV-Chef Axel Kleinlein nannte derart Reservebildung jüngst “völlig überzogen.”

Mit dem LVRG verbindet Grund die klare Erwartungshaltung, “dass die Lebensversicherer ihre Abschlusskosten senken. Das wird sich die Bafin genau anschauen.”

Vor dem Hintergrund sinkender Garantien – jüngst hat hier das Finanzministerium eine Senkung des Höchstrechnungszinses auf 0,9 Prozent ab Januar 2017 angekündigt – erwartet die Bafin, dass der Markt durch neue Produkte immer heterogener wird – nicht unbedingt im Sinne des Verbraucherschutzes.

Insuretechs vorerst noch kein Thema

Bei der Jahrestagung der Deutschen Aktuarvereinigung zählte Manfred Fellmeier 95 Insuretechs, bevor er sich wieder “ernsthaften Sachen” zuwenden wollte. “Wie Digitalisierungsstrategien im Risikomanagement der Unternehmen abgebildet werden”, das sieht demnach auch Frank Grund als Aufgabe der Bafin angesichts aktueller digitaler Umwälzungen im Markt. In der Versicherungswirtschaft, stellt er dagegen klar, gibt es aktuell kein einziges genehmigtes Insuretech. Die aktuellen Aktivitäten sieht er im Bereich der Versicherungsvermittlung. Für die Zukunft, sollte es ernsthafte Bewerber geben, stellt er klar: “Es wird keinen Digitalisierungsrabatt” geben. Immerhin gibt es Gerüchte um ein Spin-Off im Umfeld eines Lebensversicherers, das als erstes Insuretech in der Privaten Krankenversicherung daherkommen soll.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten