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Bafin bittet Lebensversicherer zum Solvency-II-Test

13.05.2015 – Bafin_baDas Neugeschäft boomt, die Beitragseinnahmen steigen, die Solvabilitätsquoten sind in Ordnung. Auf den ersten Blick scheint es um die Lebensversicherer gut bestellt zu sein. Doch der Schein trügt, wie ein Blick in den Jahresbericht der Bafin verrät.

Trotz der Einführung des Lebensversicherungsreformgesetzes hat es im vergangenen Jahr kaum Beschwerden über die Unternehmen gegeben, zumindest nicht bei der Bafin. 2.802 Eingaben gegen Lebensversicherer trudelten bei der Bonner Aufsichtsbehörde ein, das waren 72 weniger als 2013. 2010 hatte die Bafin noch 3.512 Beschwerden gegen Lebensversicherer zu bearbeiten.

Entgegen der weit verbreiteten Krisenstimmung lief das Neugeschäft der Lebensversicherer respektabel. 5,4 Millionen Neuverträge akquirierten die Vermittler, das waren 3,4 Prozent mehr als 2013. Der Bestand wuchs um 1,1 Prozent, die Betragseinnahmen um 2,7 Prozent. Die Solvabilität der Lebensversicherer sank nur leicht von 162 auf 160 Prozent. Allerdings errechnet sie sich nach Solvency I und gibt die wirtschaftlichen Verhältnisse nur unvollständig wider.

Wie es um die Lebensversicherer in Wirklichkeit bestellt ist, erfuhr die Bafin durch die Vollerhebung Leben. In dieser Untersuchung ließ sie sich die Solvabilität nach Solvency-II-Kriterien berechnen. Demnach liegt jeder vierte Lebensversicherer unter den Mindestanforderungen und ist ein Sanierungsfall. Vor allem kleine Lebensversicherer leiden unter der Last der hohen Verpflichtungen und der niedrigen Zinsen. Die Bafin lässt den Lebensversicherern sechszehn Jahre Zeit, die Kapitalanforderungen von Solvency II zu erfüllen. Laut Bafin-Jahresbericht fehlen den Lebensversicherern 15 Mrd. Euro an Eigenkapital. Konkret bedeutet das: Sie müssen ihr jetzt vorhandenes hartes Eigenkapital mehr als verdoppeln. Die Übergangsregeln sind angesichts dieser riesigen Lücke großzügig. Trotzdem erfüllten einige kleine Lebensversicherer mit einem Marktanteil von weniger als ein Prozent selbst mit den Übergangsregeln die Anforderungen nicht.

„Besonders stark unter den niedrigen Zinsen leiden die Lebensversicherer“, sagte Felix Hufeld gestern in Frankfurt/Main. Weil die Zinsen nochmals gesunken sind, hat sich die Lage wohl noch weiter verschärft. Die Bafin fragt deshalb noch einmal den Stand ab. Bis zum 3. Juni sollen die Lebensversicherer ihre aktuellen Solvency-II-Kennzahlen vorlegen. 820 Milliarden an Kapitalanlagen verwalten die deutschen Lebensversicherer. Die Pensionskassen haben 139 Mrd. Euro im Bestand. Schon wegen der schieren Größe dieses Portfolios wittern die Aufseher Gefahr. (ba)

Bildquelle: Bafin-Pressekonferenz in Frankfurt a.M. (Quelle: ba)

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