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Altersvorsorge in Europa

13.11.2013 – Die Deutschen verhalten sich vorbildlich, wenn es um die private (pAV) oder betriebliche Altersvorsorge (bAV) geht. Das zeigt die „Europäische Vergleichs-Studie zur Altersvorsorge“ des Marktforschungsunternehmens TNS. 59 Prozent der Bevölkerung besitzen eine bAV oder pAV. Im Durchschnitt sorgt weniger als die Hälfte (40 Prozent) der Europäer neben der staatlichen Rente mit eigenen oder Zahlungen des Arbeitsgebers vor. Während in Deutschland die bAV eine vollständig freiwillige Vorsorge der Arbeitnehmer ähnlich der privaten ist, ist dies u.a. in den Niederlanden, der Schweiz, Norwegen oder Großbritannien anders geregelt. Hier besteht zum Teil eine automatische Mitgliedschaft in der bAV. Hintergrund ist, dass die staatliche Rente allein nicht mehr für einen angemessenen Lebensstandard reicht.

Das britische Rentensystem ist durch sehr niedrige staatliche Renten gekennzeichnet, weshalb die pAV und bAV eine wichtige Rolle spielen. So muss zwar zusätzlich zur Grundrente in eine einkommensabhängige Zusatzrente eingezahlt werden. Jedoch sichern beide zusammen meist nur 50 Prozent des Lebensunterhalts in der Rente. Deshalb besteht die Möglichkeit aus dem Zusatzsystem auszutreten, wenn eine mindestens dementsprechende bAV oder pAV abgeschlossen wird. Mehr als 70 Prozent der britischen Arbeitnehmer sind von der zweiten staatlichen Säule befreit und über kapitalfundierte Systeme versichert.

Weil in den Niederlanden die Grundrente mit 50 Prozent (Verheiratete und gleichgestellte Paare je Partner) und 70 Prozent des Mindestlohns (Alleinstehende) nur unzureichend ausfällt, haben rund 91 Prozent der Erwerbstätigen freiwillig eine bAV abgeschlossen. Durch die überwiegend im Tarifvertrag festgelegten Vereinbarungen entstanden Allgemeinverbindlichkeitserklärungen, die das System quasi-obligatorisch machen. Die Zusatzversorgung, in die Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzahlen, beruht insbesondere auf branchenweiten und unternehmenseigenen Pensionsfonds.

In Norwegen wurde die obligatorische Betriebsrente 2006 eingeführt, weshalb hier  heutzutage fast 100 Prozent der Arbeitnehmer versichert sind. Diese betrifft alle Arbeitgeber in der Privatwirtschaft ab einer bestimmten Größe. Sie sind verpflichtet, für jeden Mitarbeiter mindestens zwei Prozent seines Jahresarbeitsentgeltes in einem Rentenfonds anzulegen. 2011 folgte eine große Rentenreform, die die Grundsicherung abschaffte und eine Bindung der Rentenhöhe an den Lebenserwartungsfaktor beschloss. So fallen die monatlichen Bezüge entsprechend höher aus, je später Norweger in die Rente eintreten.

In der Vergleichs-Studie zur Altersvorsorge in Europa von TNS muss sich Deutschland nur den Niederlanden geschlagen geben, die mit einem Anteil von 67 Prozent die Spitzenposition einnehmen. Trotzdem: Beim “Melbourne Mercer Global Pension Index 2013″ von Mercer erreichte Deutschland nur Platz zehn von zwanzig und lag damit deutlich hinter den Spitzenreitern Dänemark, Niederlande und Australien. (ls)

Links: Europäische Vergleichsstudie zur Altersvorsorge 2012, Melbourne Mercer Global Pension Index 2013, Melbourne Mercer Global Pension Index 2013 Niederlande, Melbourne Mercer Global Pension Index 2013 United Kingdom, ING-DiBa, HU Berlin

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