Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

“Viele Innovationen kommen aus den USA”

23.02.2015 – jochen_koerner_marshDie US-Industrie brummt. Neue Fabriken entstehen und Fracking lässt das Öl sprudeln. Den wirtschaftlichen Aufschwung begleiten auch in den USA die Versicherer, denn wo Neues entsteht, gilt es auch aufkommende Risiken abzusichern. Jochen Körner, Geschäftsführer von Marsh Deutschland, spricht im Interview mit VWheute über die Bedeutung der Industrieversicherung in den USA und deren Herausforderungen in der Zukunft.

VVheute: Welche Auswirkungen hat der aktuelle Wirtschaftsboom auf das Industrieversicherungsgeschäft in den USA?

Jochen Körner: Die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung hat sich auch im Industrieversicherungsgeschäft bemerkbar gemacht. Durch den Boom haben sich die Umsätze der Unternehmen erhöht – damit werden mehr Versicherungsprämien eingenommen und nimmt die Nachfrage nach Versicherungsschutz insgesamt zu. Außerdem steigen aufgrund der Reindustrialisierung der USA, die als Folge der niedrigen Energiekosten wieder verstärkt im eigenen Land produziert, auch die versicherten Werte selbst.

VVheute: Die günstige Energie ist ja vor allem durch Fracking vorhanden. Wie stellt sich diese umstrittene Fördermethode aus versicherungstechnischer Sicht dar? Ist Fracking versicherbar?

Jochen Körner: Ja, Fracking ist gut versicherbar. Was in der Diskussion derzeit ein bisschen untergeht, ist, dass Fracking auch in Deutschland bis vor zwei Jahren durchaus gängig war. Was momentan ein größeres Risiko darstellt, mit dem die Versicherungswirtschaft aber durchaus sehr gut umgehen kann, ist der Transport von Gas und Öl über die Schiene. Da hat es in Kanada und in den USA große Zugunglücke gegeben. Das sollte man ganz genau im Auge behalten.

VVheute: Die USA sind für ihre wirtschaftlichen Innovationen bekannt. Gilt dies auch für den Versicherungssektor?

Jochen Körner: Ja, viele Ideen und Innovationen im Industrieversicherungsbereich kamen und kommen aus den USA, wie die D&O-Versicherung oder Cyber-Policen. Auch Captives oder Asbest-Versicherungen gab es als erstes in den USA. Man ist dort sehr innovationsfreudig.

VVheute: Was wird aus Ihrer Sicht den Industrieversicherungssektor in der Zukunft herausfordern?

Spannend wird sein, wie sich der Einstieg von alternativem Kapital in den Versicherungsmarkt weiter entwickelt. Damit haben aktuell vor allem die Rückversicherer zu kämpfen. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist und ob es in Zukunft gelingt, diese Risikoverbriefung direkt an die Versicherungsnehmer heranzuführen, das sind die entscheidenden Fragen. Meiner Einschätzung nach wird dies kein Massenphänomen werden, aber es wird sehr wohl Einzelfälle auf Kundenseite geben, die bestimmte Risiken direkt am Kapitalmarkt platzieren.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Julia Kolhagen.

Bild: Jochen Körner (Quelle: Marsh)

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten