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Agiles IT-Management heißt Verantwortung übernehmen

11.05.2016 – Ist agiles Management ein Hype oder langfristige Alternative? “Sie bietet die Möglichkeit, auf dynamische Veränderungen zu reagieren, sich rasch an aktuelle Bedürfnisse anzupassen und veränderten Prioritäten Herr zu werden”, sagt Grzegorz Obszański. Der Experte von Sollers Consulting erklärt im Interview mit VWheute, welche Projekte sich mit der agilen Methode bewerkstelligen lassen und welche Branchen davon besonders davon profitieren können.

VWheute: Wo stößt das klassische Projektmanagement angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung gerade bei Versicherern an seine Grenzen?

Grzegorz Obszański: Klassische Projektmanagementmethoden bewähren sich sehr gut in einer Umgebung, in der alle Geschäftsanforderungen festgelegt und im Voraus bekannt sind. Doch sowohl die Bedürfnisse der heutigen Nutzer als auch das Marktumfeld unterliegen dynamischen Veränderungen. Heute getroffene Annahmen können in ein paar Monaten bereits veraltet sein. Die agile Methode bietet die Möglichkeit, auf solche Veränderungen dynamisch zu reagieren, sich rasch an aktuelle Bedürfnisse anzupassen und veränderten Prioritäten Herr zu werden. Die Digitalisierung der Versicherer muss spezifischen Businessanforderungen gerecht werden und die IT sollte dafür geeignete Tools zur Verfügung stellen.

Die agile Methode gewährt eine bessere Verbindung von Business und IT durch die enge Zusammenarbeit in kleinen, multifunktionalen Teams. Dadurch wird ermöglicht, solche Lösungen zu entwickeln, die am besten den schnell ändernden Anforderungen der Kunden gerecht werden. Ebenfalls ermöglicht dies verkürzte “time-to-market”-Zeiten der vorbereiteten Lösungen. Bei der Anwendung klassischer Methoden werden sämtliche Arbeitsergebnisse im gleichen Moment abgeliefert. Die agile Methode ermöglicht ein besseres Managen von Wert und konzentriert sich darauf, im ersten Schritt jene Anforderungen zu erfüllen, die dem Kunden den größten Mehrwert bieten.

VWheute: Wie kann hier agiles Projektmanagement gerade für die Branche Mehrwert liefern?

Grzegorz Obszański: Die agile Methode beeinflusst auf positive Art und Weise vier zentrale Projektbereiche: Flexibilität, Transparenz, Liefern von Mehrwert und Risikomanagement. Komplizierte Projekte, die sich über mehrere Monate erstrecken, werden in kurze 4-wöchige Iterationen (Sprints) aufgeteilt, in denen sowohl Business als auch IT-Team-Mitglieder sich mit Analyse, Implementierung und Testen der Lösung beschäftigen. Businessanforderungen werden nicht im Voraus für das gesamte Projekt definiert, die Flexibilität sichert und ermöglicht es, schnell auf Veränderungen im Marktumfeld zu reagieren.

Am Ende eines jeden Sprints werden die entwickelten Lösungen dem Kunden präsentiert und von ihm akzeptiert. Auf diese Weise hat der Kunde die Möglichkeit, in einem frühen Stadium bereits seine Beobachtungen zum entstehenden Produkt zu kommunizieren und hat einen wirklichen Einfluss auf seine endgültige Gestaltung. Das regelmäßige Akzeptieren von Arbeitsergebnissen erleichtert das Nachverfolgen des Arbeitsfortschrittes und erhöht die Transparenz. Geprüfte und akzeptierte Produkte können sofort zum Endnutzer gelangen. Somit liefert das Projekt von Beginn an Mehrwert für seine Sponsoren. Die Fähigkeit, schnell auf Marktveränderungen und früh erkannte Probleme zu reagieren, reduziert das Risiko, dass das gesamte Projekt scheitert.

VWheute: Welche Projekte eignen sich dagegen überhaupt nicht für agiles Management?

Grzegorz Obszański: Laut Bericht “State of Agile 2016″ wird die agile Methode sowohl von kleinen (weniger als 1.000 Mitarbeiter) und sehr großen (über 20.000 Mitarbeiter) Firmen in allen Wirtschaftssektoren (IT, Telekommunikation, Industrie, Medien, Finanzdienstleistungen, Versicherungen und öffentlicher Sektor) verwendet. Meiner Meinung nach gibt es keine Projekte, die sich nicht für die agile Methode eignen würden. Allerdings gibt es auch Unternehmen, die nicht bereit sind, diese Methode einzusetzen.

Gemäß dem o.g. Bericht ist als eine der Hauptursachen für gescheiterte Projekte die Kluft zwischen den Schlüsselwerten der Methode auf der einen und der Organisationskultur des Unternehmens auf der anderen Seite auszumachen, in dem das Projekt durchgeführt wurde. Bei Agile ist zentral, dass alle Team-Mitglieder über die Ermächtigung verfügen, laufende Projektentscheidungen zu treffen, was zur Schaffung eines selbstständigen Teams führt, das Verantwortung für die Effekte seiner Arbeit übernimmt. Viele Unternehmen sind für solche Veränderungen nicht vorbereitet und erwarten, dass auch weniger wichtige Entscheidungen von leitenden Mitarbeitern getroffen werden. Das führt zu einer signifikanten Reduktion der Produktivität.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Grzegorz Obszański, Consultant bei Sollers Consulting (Quelle: Sollers Consulting)

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