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Achleitner: “Arbeit der Aufsichtsräte ist professioneller”

08.08.2014 – achleitner-150Ann-Kristin Achleitner, Inhaberin des Lehrstuhls für Entrepreneurial Finance an der TU München, sieht in der Arbeit der Aufsichtsräte eine zunehmende Professionalität, die sich auch in der Zusammensetzung der Gremien widerspiegelt. Sie ist Aufsichtsrätin bei Munich Re und weiteren Industrieunternehmen. Unterschiede zwischen den Gremien in der Industrie und der Finanzbranche gibt es aus ihrer Sicht nicht.

VWheute: Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Aufsichtsrat oder eine gute Aufsichtsrätin aus? Ist die Aufsichtsratsfunktion heute wichtiger als noch vor einigen Jahren?

Achleitner: Nicht nur die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, auch der Gesetzgeber hat die Verantwortung von Aufsichtsräten in den vergangenen Jahren durch neue Aufgaben gestärkt. Der Kodex hat darüber hinaus mit seinen Empfehlungen dazu beigetragen, dass das Aufsichtsratsplenum ganz eindeutig der Ort ist, in dem diskutiert und entschieden wird und dem die Ausschüsse vorbereitend zuarbeiten. Insgesamt ist die Arbeit der Aufsichtsräte in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren zweifelsohne professioneller geworden. Die Zeiten, in denen man sich maximal vier Mal im Jahre traf, sind längst vorbei. Neben der Ausschussarbeit gibt es heute in der Regel eine Vielzahl von Sitzungen und Telefonkonferenzen und damit einen deutlich höheren Informationsaustausch. Neue Aufsichtsräte werden anhand von detaillierten Anforderungsprofilen nicht nur noch im eigenen Netzwerk gesucht. Alle Aufsichtsräte sind aufgefordert sich fortzubilden, was auch geschieht.

VWheute: Es hat sich die neue Compliance herausgebildet, nach der ein direkter Übergang von Vorstandspositionen in das Aufsichtsgremium kritisch gesehen wird. Warum eigentlich? Dies bietet doch den Vorteil kenntnisreicher Kontinuität.

Achleitner: Richtig, daher hatte sich auch die Kodexkommission gegen das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Cooling-off ausgesprochen. Aus Sicht der Kommission wäre es ausreichend gewesen zu empfehlen, dass es keinen direkten Übergang vom Vorstandsvorsitz in den Aufsichtsratsvorsitz geben und ein ehemaliges Vorstandsmitglied nicht den Vorsitz im Prüfungsausschuss übernehmen soll. Zudem empfiehlt der Kodex schon seit Jahren, dass höchstens zwei ehemalige Vorstandsmitglieder dem Aufsichtsrat angehören sollen. In einem 20-köpfigen Dax-Aufsichtsrat wären diese wichtigen Wissensträger sowohl in den Ausschüssen wie auch im Plenum also klar in der Minderheit, weshalb die Kommission auch die Bedenken des Gesetzgebers im Sommer 2009 nicht nachvollziehen konnte.

VWheute: Kommen wir zu den Versicherern, bei denen Sie ja selbst in Aufsichtsratsgremien vertreten sind. Hier herrscht in Anbetracht des Finanzmarktumfeldes ziemliche Bedrängnis , die sich zum Beispiel jetzt in der Reform der Lebensversicherung widerspiegelt. Das muss jetzt umgesetzt werden mit neuen Freiräumen, aber auch Änderungsdruck und Härten für Unternehmen und Kunden. Wie wirken Aufsichtsgremien bei solchen Neupositionierungen in das Unternehmen hinein? Nur strategisch oder auch operativ?

Achleitner: Aufsichtsräte können im Rahmen ihres Beratungsmandats ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Sicht in eine Diskussion einbringen und auch auf mögliche Chancen und Risiken hinweisen. Sie sollen Diskussion anstoßen und hinterfragen. Aber es ist nicht ihre Aufgabe, neue Produkte zu entwickeln oder Reorganisationen operativ umzusetzen. Dies ist Aufgabe des Vorstands.

VWheute: Wenn Sie die Versicherer mit anderen Branchen vergleichen, etwa in der Industrie: Nähern sich hier die Herausforderungen für Unternehmensleitung und Aufsichtsgremien an?

Achleitner: Aus meiner persönlichen Erfahrung sehe ich keine Unterschiede. Sowohl in der Industrie wie auch in der Finanzbranche arbeiten die Gremien mit hoher Professionalität, wobei in der Finanzbranche die Besonderheit erheblicher staatlicher Regulierung hinzukommt.

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe der Versicherungswirtschaft (Heft 8/2014). (ks)

Foto: Ann-Kristin Achleitner ist Inhaberin des Lehrstuhls für Entrepreneurial Finance an der TU München. Sie ist Aufsichtsrätin bei Munich Re, Linde, Metro und beim französischen Energiekonzern GDF Suez. (Quelle: Ann-Kristin Achleitner)

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