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Turm-Sprengung in Frankfurt

31.01.2014 – afe-turmDie Liquidation eines mit Haftpflichtreserven aufgeblähten Versicherers kann Jahrzehnte dauern, während selbst ein asbestverseuchtes Gebäude innerhalb von Sekunden explosionsbedingt in einen Geröllhaufen verwandelt werden kann. Der für den 2. Februar geplante kontrollierte Einsturz des in Frankfurt gelegenen, technisch obsolet gewordenen AfE Turms bringt jedoch besondere Haftpflichtrisiken mit sich, die es für ein 42 Mio. Euro Exposure zu versichern gilt.

Der 1970-72 errichtete AfE Turm ist 116 Meter/36 Geschosse hoch. Das Kürzel stand einst für „Abteilung für Erziehungswissenschaft“, tatsächlich aber beherbergte der Turm diverse geisteswissenschaftliche Fakultäten der Frankfurter Universität. Sein Abriss kann darum auch symbolisch als das Ende des Erbes von linkslastigen Soziologen à la Theodor Adorno verstanden werden.

Seit 2011 gehört der Turm der ABG Frankfurt Holding GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Frankfurt. Seit Juli 2013 läuft der Rückbau, am Sonntag soll nun der Rest gesprengt werden.

Während Axa aus Gründen der Vertraulichkeit von Kundeninformationen nicht konkret Stellung beziehen wollte, berichtete der telefonisch befragte Geschäftsführer des Abbruchunternehmens AWR Abbruch GmbH, Ilmi Viqa, von folgender Struktur der Haftpflichtdeckungen seines Hauses:

  • Grunddeckung zehn Mio. Euro zweifach maximiert, bei Axa 100 Prozent auf Jahresbasis platziert
  • Sich hieran anschliessend zusätzlich auf Schadenexcedenten-Basis für dieses konkrete Projekt weitere 32 Mio. Euro an Deckung, Versicherer Axa sowie VHV
  • Jeweils direkte Platzierung, d.h. ohne Maklereinschaltung.

Nach deutschem Recht haftet ein Abbruchsunternehmer für Personen- und Sachschäden deliktisch (§ 823 BGB). Daneben kommt auch noch eine Haftung des den Abbruchunternehmer beschäftigenden Grundstückseigentümers in Betracht. Gem. § 836 BGB haftet ein Grundstücksbesitzer im Fall von „fehlerhafter Einrichtung“ auf Schadenersatz. Er kann sich jedoch exkulpieren (Beweislast also beim Grundbesitzer) wenn er nachweist, dass er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat.

Im Juni 2013 war in Philadelphia bei Abbrucharbeiten ein Gebäuderest auf einen nicht evakuierten  benachbarten Laden der Heilsarmee gestürzt. Sechs Personen wurden dabei getötet.

Besonders gefährlich kann es werden, wenn die Behörden gar einen Gebäudeabriss als Volksbelustigung inszenieren. Im Juli 1997 hatte die australische Regierung beschlossen, ein stillgelegtes Krankenhaus in Canberra ACT durch eine Implosion zum Einsturz zu bringen. Vor einer 100.000 Personen zählenden Zuschauermenge misslang einerseits der Abriss (ein guter Teil der Mauern blieb stehen und bedurfte anschließender mühsamer Zerkleinerung), andererseits wurde eine Zuschauerin von einem 500 Meter weit geflogenen Brocken erschlagen. (cpt)

Foto: Der Turm steht mitten in einem Wohngebiet, das kann gefährlich werden. (Quelle: vwh)

Link: 950 Kilo Sprengstoff in 1400 Bohrlöchern

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