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Hamburg Internationale Rück wird verkauft

15.01.2014 – hamburger-rueckAls die vom französischen Magnaten François Pinault zu knapp über 70 Prozent kontrollierte britische Tawa Plc. im April 2012 die auf Run-off und Assekuranz-Dienstleistungen spezialisierte Chiltington erwarb, sah dies nach einem weiteren strategischen Schritt in Richtung Synergien genießende, fokussierte Run-off Operation aus. Umso größer das Erstaunen, wenn nun Tawa sich wieder vom Herzstück der Chiltington trennt, der 1965 gegründeten und bereits seit 1990 nicht mehr aktiv zeichnenden Hamburg Internationale Rückversicherung AG (HIR).

Erwerber ist Compre Holdings Limited, eine ebenfalls in London ansässige Run-off Gesellschaft. Hinsichtlich des Transaktionspreises schweigen die Käufer und Verkäufer.

Compre gehört seit Februar 2011 mehrheitlich der privaten Equity Gesellschaft Milestone Capital Partners LLP und plant in den kommenden Jahren, Run-off Bestände mit einem Volumen von ca. 100 Mio. Euro aufzunehmen. Aus der zu veräußernden HIR werden deren Assekuranz-Dienstleistungstöchter ausgegliedert. Diese verbleiben bei Tawa. Die Befreiung vom Tagesgeschäft  dürfte es dem HIR Management (Hubertus Labes bleibt CEO) gestatten, mehr Energie auf neue kontinentaleuropäische Transaktionen zu verwenden.

Tawa möchte sich anscheinend auf weniger Risiko und weniger Kapitaleinsatz erfordernde Dienstleistungen für die Assekuranz beschränken. Die riskanteren und kapitalhungrigeren Run-off Operationen hingegen werde man in einer nicht börsengelisteten, separaten Holding unter dem CEO Gilles Erulin zusammenfassen, Tawa Associates Limited. Es erstaunt das Timing. Man sollte doch eigentlich annehmen, dass kurz vor Inkrafttreten von Solvency II die Geschäftsmöglichkeiten für Run-off Anbieter zunehmen werden.

Die bisherigen Tawa Aktionäre sollen im Rahmen des Demergers auch jeweils Aktien der nicht börsengelisteten Tawa Associates Limited erhalten, jedoch wird ihnen Pinault ein Angebot zum Tausch gegen Pro Aktien unterbreiten. Die Tawa Minderheitsaktionäre werden sich dabei jedoch fragen müssen, ob der über Insiderwissen verfügende Großaktionär Pinault ihnen adäquate Bedingungen offerieren wird.

Möglicherweise führten auch mehrere Jahre knapper oder gar negativer Resultate zu dem strategischen Schwenk. Insbesondere die Übernahme des in QX Re enthaltenen US-Portefeuilles scheint sich als Pyrrhus-Sieg erwiesen zu haben. QX Re ist ein im März 2011 gegründeter, bermudianischer Spezialrückversicherer, der bleihaltige Farben betreffende Produkthaftpflichtreserven der Pennsylvania National Mutual Casualty Insurance Company übernommen hatte. Wegen unerwartet negativer Abwicklungsergebnisse hatte Tawa die Beteiligung im November 2013 zur Gänze abschreiben müssen. Die Beteiligung an der KX Re und deren Tochter OX Re war 2013 unter Realisierung eines Verlusts von 21,3 Mio. US-Dollar abgestoßen worden.

Das ausgewiesene Tawa Eigenkapital war von 178,5 Mio. US-Dollar Ende 2012 auf 152,1 Mio. Dollar per Mitte 2013 gesunken. Hatte der Tawa Börsenkurs Anfang 2012 noch bei 70p gelegen, so hat er im fast kontinuierlichen Sinkflug mittlerweile 18p erreicht. Es war wohl an der Zeit, dass die neuen Tawa-Piloten eingriffen, um eine gänzliche Bruchlandung zu vermeiden. Auch ein vom Pech verfolgter Run-off Konsolidator kann selber in den Run-off gehen. (cpt)

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