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EU-Beitritt Kroatien – wenig Feierlaune

01.07.2013 – Die Feierlichkeiten zum EU-Beitritt Kroatiens letzte Nacht mit einem Feuerwerk auf dem zagreber Ban-Jelačić-Platz waren ohne Euphorie. Mehr als die diplomatische Unpässlichkeit wegen des Fernbleiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel wirken sich ökonomische Bewertungen aus.

Obgleich Außenminister Westerwelle hervorhob, Kroatien sei ein politisch und kulturell zutiefst europäisches Land, herrschen Bedenken. Die Fakten dazu lieferte eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Befragt wurden Manager des Landes ob Schmiergeldpraktiken und Bilanzmanipulationen verbreitet seien. 90 Prozent bestätigten das Vorhandensein von Korruption.

Die Arbeitslosenquote des neuen EU Mitglieds liegt bei 23 Prozent. Die Auslandsverschuldung bei mehr als 100 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Das kräftige Wirtschaftswachstum Mitte des vergangenen Jahrzehnts war vor allem auf ausländische Kredite zurückzuführen, die oftmals von staatseigenen Unternehmen aufgenommen wurden. Für das laufende Jahr rechnen die meisten Analysten mit einer Stagnation. Der Osteuropa-Experte der Deutschen Bank Kevin Körner begründet dies auch mit den Verwerfungen in der europäischen Währungsunion. So ist das wichtigste Abnehmerland Italien fast komplett ausgefallen. Die Bilanz der internationalen Firmen, die in Kroatien investieren, ist ernüchternd. In den ersten neun Monaten des Jahres 2012 verzeichnete der Staat nur 452,7 Millionen Euro Auslandsinvestitionen. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 4,2 Milliarden Euro. Nun liegt das westlichste aller Balkanländern mit einer sehr gut ausgebildeten Bevölkerung durch den EU-Beitritt im Fokus neu erwachten Interesses. Immerhin wird mit einer Staatsverschuldung von 57 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt die Vorgabe des Maastricht-Vertrages erfüllt. Die Reife für einen Euro-Beitritt sieht man selbst in Kroatien allerdings frühestens in vier bis fünf Jahren.

Links: Die EU heißt ein neues Problemland willkommen, Merkel will mehr Reformen von Kroatien nach EU Beitritt, Feier mit Polit-Prominenz

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